Startseite ● Kreatin im Sport: wirkt nicht bei allen (gleich) Kreatin im Sport: wirkt nicht bei allen (gleich) Studien deuten darauf hin: Mit Kreatin steigt die sportliche Leistungsfähigkeit etwas. Aber nur bei sehr kurzen, intensiven Belastungen. 13. Mai 2026 AutorIn: Teresa König Review: Jana Meixner Bernd Kerschner Teilen Teilen × Wähle einen Dienst. Es werden keine Social-Plugins geladen. WhatsApp Bluesky Facebook LinkedIn Link kopieren Steigert Kreatin die Leistung im Sport? möglicherweise Studien deuten darauf hin, dass Sportlerinnen und Sportler bei kurzen, sehr intensiven Belastungen ihre Leistung mit Kreatin steigern können. Im Kraftsport lassen sich so im Schnitt etwa 1,4 Kilogramm mehr beim Bankdrücken bewegen. Keinen Effekt gab es hingegen bei der Beinpresse. Da die Studien Mängel aufweisen, sind sie nur eingeschränkt aussagekräftig, denn bei fast allen Studien könnte der Placebo-Effekt eine Rolle gespielt haben. Für eine Leistungssteigerung im Ausdauersport gibt es keine Belege. so arbeiten wir Kreatin: Möglicherweise ein Trainingsverstärker für kurze, intensive Kraftleistungen. (c) iStock Jacob Wackerhausen Kreatin soll stärker, schneller, schöner und schlauer machen – so lassen sich gängige Behauptungen zu diesem Nahrungsergänzungsmittel grob zusammenfassen. Meist wird Kreatin von Influencerinnen und Influencern in den sozialen Medien beworben. Ihre Behauptungen richten sich meist an junge, fitnessinteressierte Menschen. Sie schwärmen regelrecht davon – und verdienen meist Geld damit. Ist das Geschäft mit Kreatin nur Geldmacherei? Oder gibt es Belege für die Wirksamkeit, die über die Erfahrungsberichte einzelner hinausgehen? Nur gutes Geschäft oder auch bessere sportliche Leistung? Um das herauszufinden haben über Jahre hinweg fast 2000 Menschen ausprobiert, ob an den Behauptungen etwas dran ist. Dieses Ausprobieren fand gemeinsam mit Forschenden statt. Sie haben also Studien gemacht und herausgefunden: Ja, möglicherweise steigert Kreatin tatsächlich die sportliche Leistung. Mit einer Einschränkung: Der Effekt ist nur bei kurzen, sehr intensiven Belastungen zu sehen und die Ergebnisse sind aufgrund von Mängeln in den Studien nicht gut abgesichert [Quelle 1]. Für Ausdauersport hingegen gibt es keinerlei Belege für eine Leistungssteigerung [Quelle 3]. Hinweise auf etwas bessere Leistung im Kraftsport und bei explosiven Bewegungen In bisherigen Studien wurde untersucht, ob Menschen mit Kreatin beispielsweise mehr Gewicht bewegen können als jene, die sich in der Kontrollgruppe befanden und idealerweise ein nur gleich aussehendes Pulver (Placebo) einnahmen [Quelle 1]. Für den Oberkörper konnte festgestellt werden: Bankdrücken und Brustpresse: Mit Kreatin konnten Teilnehmende im Schnitt 1,4 Kilogramm mehr Gewicht bewältigen. Handgriffkraft: Es gab keinen Unterschied zwischen Kreatin und Kontrolle. Für den Unterkörper wurde herausgefunden: Kniebeugen: Mit Kreatin konnten Teilnehmende im Schnitt 5,6 Kilogramm mehr Gewicht bewegen. Beinpresse: Es gab es keinen Unterschied zwischen Kreatin und Kontrolle. Ebenso wurde der Effekt von Kreatin bei anderen explosiven Bewegungen untersucht [Quelle 1]: Mit Kreatin konnten Teilnehmende um etwa 1,5 Zentimeter höher springen und die Leistung im Wingate-Test erhöhte sich etwa um 47,8 Watt. Im Wingate-Test kurbeln Teilnehmende auf einem Ergometer für etwa 30 Sekunden mit maximaler Anstrengung. Effekt beobachtet, Ergebnisse nicht gut abgesichert Kreatin ist eines der am häufigsten untersuchten Nahrungsergänzungsmittel der Sportwissenschaft. Aber die Studien dazu haben Mängel, weshalb die Ergebnisse nicht gut abgesichert sind. Das größte Problem der Studien: In fast allen wussten die Teilnehmenden, ob sie Kreatin oder ein Placebo einnahmen. Der Placebo-Effekt konnte also nicht ausgeschlossen werden – wie in den Studien im Detail erklärt. Kreatin ist daher nur möglicherweise ein Trainingsverstärker. Weitere Studien könnten das Ergebnis bestätigen, abschwächen aber auch widerlegen. Wirkt nicht bei allen (gleich) Bei etwa 2 bis 3 von 10 Menschen hatte Kreatin gar keinen Effekt. Bei den anderen dürfte die Größe des Effekts von Faktoren wie Alter, Trainingsstatus, Trainingsintensität sowie Dosierung und Dauer der Einnahme abhängen. Die Studien deuten darauf hin, dass insbesondere jüngere Erwachsene unter 50 Jahren (alle Teilnehmenden waren zumindest 18 Jahren alt) stärkere Effekte zeigen. Auch bei trainierten Personen scheint der Effekt tendenziell etwas ausgeprägter zu sein. Zudem kann sich der Einfluss der Dosierung je nach Kraftübung unterscheiden, ebenso wie die Dauer der Einnahme [Quelle 1, 3]. Da die Studien aber mangelhaft sind, ist auch diese Einschätzung nicht ganz so gut abgesichert (mehr dazu in Studien im Detail). Kreatin als „Brain-Booster“ unbelegt Während Kreatin im Sport zumindest etwas als Trainingsverstärker zu wirken scheint, sieht es bei der geistigen Leistungsfähigkeit anders aus – das haben wir uns in diesem Faktencheck genauer angesehen. Nebenwirkungen Kreatin gilt als sicheres Nahrungsergänzungsmittel. Ein Gesundheitsrisiko stellen aber Verunreinigungen beispielsweise durch Steroide oder Schwermetalle dar. Bisher haben Studien keine schwerwiegenden gesundheitsschädlichen Folgen bei der üblichen Einnahme von Kreatin gefunden. Es gibt zwei Möglichkeiten der Einnahme: Entweder werden 3 bis 5 Gramm Kreatin pro Tag langfristig eingenommen oder für 5 bis 7 Tage 20 Gramm Kreatin pro Tag (Ladephase) und danach 3 Gramm pro Tag [Quelle 3]. Für gesunde Erwachsene gilt eine Dosis von bis zu 3 Gramm Kreatin täglich als sicher. Das ist die Einschätzung von Fachleuten der Europäischen Lebensmittelbehörde (EFSA) [Quelle 8]. Bei höheren Dosierungen (20 Gramm pro Tag) können gelegentlich Magen-Darm-Beschwerden auftreten. Oft nehmen Sportlerinnen und Sportler durch Kreatin zu, typischerweise 1 bis 2 Kilogramm. Der Grund dafür sind Wassereinlagerungen im Muskel. Entgegen häufiger Behauptungen, gibt es keine Hinweise auf Schädigungen der Nierenfunktion bei gesunden Erwachsenen [Quelle 3, 7]. Belege für Olympia und Europäische Kommission ausreichend Für Sportler und Sportlerinnen ist die Einnahme von Kreatin offiziell von führenden Sportorganisationen erlaubt. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) führt Kreatin als eines der wenigen Nahrungsergänzungsmittel an, für deren Wirksamkeit es wissenschaftliche Hinweise gibt [Quelle 5]. Und auch die Europäische Kommission sieht das so. Sie hat zwei Health Claims zu Kreatin zugelassen. Das bedeutet, dass unter anderem mit folgender Aussage geworben werden darf: Kreatin steigert die körperliche Leistungsfähigkeit bei aufeinanderfolgenden kurzen, hochintensiven Belastungsphasen [Quelle 6]. Was macht Kreatin im Körper? Kreatin kommt natürlicherweise im Körper vor. Es kann über die Nahrung zum Beispiel mit Fleisch und Fisch aufgenommen werden. In Pflanzen kommt es aber so gut wie nicht vor. Kreatin wird zusätzlich in der Leber und den Nieren aus drei verschiedenen Aminosäuren produziert – so kommen auch vegan lebende Menschen zu Kreatin. Gespeichert wird es dann fast zur Gänze im Muskel. Diese Speicher lassen sich mit einem Nahrungsergänzungsmittel (meist Kreatin-Monohydrat) auffüllen. Werden die Muskeln im Krafttraining oder beim Springen kurz und intensiv beansprucht, dann brauchen sie mehr Energie. Diese Energie ist im Körper als ATP vorhanden. ATP ist Adenosintriphosphat – und das Phosphat am Ende dieses Wortes ist genau der Punkt, an dem Kreatin wirken dürfte. Denn Kreatin wird als Phosphokreatin im Muskel gespeichert. Ist genug Phosphokreatin im Muskel vorhanden, kann schneller das notwendige Phosphat für die Produktion von Adenosintriphosphat (ATP) zur Verfügung gestellt werden. Und somit kommt der Muskel schneller zu Energie [Quelle 3]. Muskelenergie aus der Dose: Woher kommt das Kreatin in Pulverform? Weltweit wird Kreatin-Monohydrat am häufigsten in Asien hergestellt. Auch in Europa wird Kreatin produziert. Das Verfahren eines deutschen Herstellers dürfte einen höheren Schutz vor Verunreinigungen bieten – wie die Verbraucherzentrale in Deutschland schreibt. Das in Europa hergestellte Kreatin-Monohydrat wird im Labor aus einem Salz (Sarkosinat) und einer weiteren Substanz (Cyanamid) hergestellt [Quelle 4]. Die Studien im Detail Nach welchen Studien haben wir gesucht? In zwei internationalen wissenschaftlichen Datenbanken haben wir nach randomisiert-kontrollierten Studien gesucht. Diese Studienart ist die aussagekräftigste, um die Wirksamkeit einer Behandlung zu untersuchen. In so einer Studie werden Teilnehmende per Zufall einer von zwei Gruppen zugeteilt. Die eine Gruppe nimmt Kreatin, die Kontrollgruppe idealerweise ein Scheinpräparat (Placebo). Wer welcher Gruppe angehört, sollten weder Forschende noch Teilnehmende wissen – dann ist die Studie verblindet. Das verhindert, dass der Placebo-Effekt die Ergebnisse verzerrt und macht die Studie noch aussagekräftiger. Wie aussagekräftig sind die Studien? Wir fanden zwei Übersichtsarbeiten, in denen bisherige randomisiert-kontrollierte Studien zusammengefasst sind [Quelle 1, 2]. Wie groß der Effekt von Kreatin auf die sportliche Leistungssteigerung ist, kann die größere der beiden Übersichtsarbeiten am aussagekräftigsten zeigen: Sie fasst 69 Studien mit insgesamt 1937 Teilnehmenden zusammen. In den Studien nahmen trainierte und untrainierte Erwachsene im Alter von 18 bis 80 Jahren teil [Quelle 1]. Je nach Kraftübung oder Leistungsmessung wurden unterschiedlich viele Studien zusammengefasst: Bankdrücken und Brustpresse: 49 Studien Handgriffkraft: 3 Studien Kniebeuge: 17 Studien Beinpresse: 21 Studien Vertikalsprung: 23 Studien Wingate-Test: 12 Studien Die Gesamt-Ergebnisse sind allerdings nicht gut abgesichert. Es könnte daher sein, dass sich die Ergebnisse durch zukünftige Forschung noch deutlich ändern können. Das liegt unter anderem an folgenden Mängeln der Studien: Teilnehmende wussten, wer Kreatin und wer das Placebo einnahm. In 63 von 69 Studien waren die Teilnehmenden nicht verblindet. Das heißt: Es ist wahrscheinlich, dass der Placebo-Effekt die Ergebnisse verzerrte. Möglich ist, dass dadurch die Effektstärke künstlich aufgebläht wurde. Bei den Studien zu Bankdrücken und Brustpresse sowie zur Beinpresse konnte gezeigt werden, dass nicht alle Studien veröffentlich wurden. Oft bedeutet das: Nur Studien mit positiven Ergebnissen werden veröffentlich, nicht aber die mit negativen. Die Studien zu Vertikalsprung, Wingate-Test und Handgriffkraft sind sehr unterschiedlich etwa aufgrund des Alters der Teilnehmenden, der unterschiedlichen Dosierung, der verschiedenen Arten von Messungen und anderer Trainingsprotokolle. Diese Unterschiede zwischen den Studien machen es schwer, die Ergebnisse sinnvoll zusammenzufassen. Wissenschaftliche Quellen [1] Kazeminasab et al. (2025). The Effects of Creatine Supplementation on Upper- and Lower-Body Strength and Power: A Systematic Review and Meta-Analysis. NUTRIENTS, 17(17). (Link zur Studie) [2] Zhang et al. (2025). Effects of creatine supplementation on muscle strength gains-a meta-analysis and systematic review. PeerJ, 13, e20380. (Link zur Studie) [3] UpToDate. (2026). Nutritional and non-medication supplements permitted for performance enhancement. Abgerufen am 08.05.2026 unter uptodate.com (kostenpflichtig) [4] Europäisches Patentamt. (1997). Europäische Patentanmeldung: Verfahren zur Herstellung von Kreatin oder Kreatin-Monohydrat. Abgerufen am 08.05.2026 unter data.epo.org [5] Maughan et al. (2018). IOC consensus statement: dietary supplements and the high-performance athlete. Br J Sports Med, 52(7), 439–455. (Link zur Studie) [6] European Commission. Food and Feed Information Portal Database. Abgerufen am 08.05.2026 unter ec.europa.eu [7] Verbraucherzentrale NRW e.V. (2026). Kreatin: Wirkung, Risiken und was beim Kauf wichtig ist. Abgerufen am 08.05.2026 unter verbraucherzentrale.de [8] European Food Safety Authority. (2004). Opinion of the Scientific Panel on food additives, flavourings, processing aids and materials in contact with food (AFC) on a request from the Commission related to creatine monohydrate for use in foods for particular nutritional uses. EFSA Journal, 2(4), 36. (Link zur Studie) Versionsgeschichte 13.05.2026 Erstveröffentlichung des Faktenchecks Schlagworte KreatinMuskelMuskelaufbauNahrungsergänzungsmittelProteinSport In über 600 Faktenchecks suchen Suchbegriff eingeben: Suchen