Rote-Rüben-Saft im Ausdauersport: bringt möglicherweise nichts

Rote Rübe steigert die Ausdauer im Sport wohl nicht: Studienteilnehmende liefen oder radelten mit Placebos gleich schnell und ermüdeten gleich rasch.

AutorIn:
Review:  Jana Meixner 

Steigert Rote Rübe (Rote Bete) die Leistung im Sport?

Studien deuten darauf hin, dass Rote Rübe die Leistung im Ausdauersport eher nicht verbessert. In Belastungstests legten Teilnehmende eine vorgegebene Strecke laufend oder mit dem Fahrrad gleich schnell zurück, unabhängig davon, ob sie Rote Rübe oder ein Placebo eingenommen hatten. Auch bei der Zeit bis zur Erschöpfung gab es keinen Unterschied zwischen den Gruppen. Aufgrund von Mängeln in den Studien ist das Ergebnis aber nicht gut abgesichert.

so arbeiten wir
iStock (c) WS Studio Rote Rübe: Bisher kein Beleg für eine Leistungssteigerung im Ausdauersport
iStock (c) WS Studio

Eine Ernährungswissenschaftlerin behauptet in ihrem Video auf Social Media, Rote-Rüben-Saft würde bei Ausdauersportarten wie Laufen oder Radfahren leistungsfähiger machen. Das wäre sogar in Studien bestätigt. Dafür verantwortlich soll das Nitrat in der Roten Rübe (Roten Bete) sein.

Nicht nur der Saft der Roten Rübe soll die Ausdauer verbessern, auch Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln finden dieses Gemüse vielversprechend. Sie haben es beispielsweise in Kapseln gepackt, um das darin enthaltene Nitrat als „Molekül, das Energie, Kraft und Ausdauer liefert“ zu bewerben. Stimmt das und sind solche Aussagen erlaubt?

Um das zu prüfen, haben wir nach allen bisher durchgeführten Studien zu Rote Rübe und Sportf gesucht.

Mit Roter Rübe oder Placebo: Alle gleich leistungsfähig

Rote-Rüben-Saft scheint die Leistung im Ausdauersport nicht zu bessern. Studien deuten darauf hin, dass es keinen Unterschied macht, ob Teilnehmende Rote-Rüben-Saft tranken oder ein Placebo – also ein Scheinmittel. Alle waren im Training gleich schnell erschöpft und konnten eine vorgegebene Strecke gleich schnell laufen oder mit dem Fahrrad fahren. In manchen Studien tranken die Teilnehmenden ein einziges Mal den Saft vor dem Sport. In anderen tranken sie über mehrere Wochen hinweg Rote-Rüben-Saft mit unterschiedlichem Nitrat-Gehalt und trainierten mehrmals die Woche. Egal wie oft und wann der Saft getrunken worden war, einen Effekt auf die Ausdauer schien es nicht zu geben [Quelle 1, 2].

Aufgrund von Mängeln in den Studien, ist dieses Ergebnis aber nicht gut abgesichert. Mehr dazu in den Studien im Detail.

Studien, in denen Rote Rübe als Nahrungsergänzungsmittel untersucht wurde, konnten wir gar keine finden. Ob solche Nahrungsergänzungsmittel einen Effekt haben, ist vollkommen unklar.

In der Theorie plausibel, aber in der Praxis ohne Wirkung  

Mehr Nitrat im Körper soll die Muskelfunktion verbessern. Und so soll es funktionieren: Nitrat wird durch Bakterien in Mund und Darm zu Nitrit. Nitrit wird dann im Blut und im Gewebe zu Stickstoffmonoxid. Und Stickstoffmonoxid erweitert die Blutgefäße, was zur Folge hat, dass mehr Blut fließen kann. Mehr Blut bedeutet, dass mehr Zucker und Sauerstoff zum Muskel gelangen [Quelle 4].

Bisherige Studien deuten darauf hin, dass Rote-Rüben-Saft tatsächlich die Nitrat-Konzentration im Blut erhöhen kann. Das ist interessant, dennoch scheint diese erhöhte Konzentration nicht zu einer besseren Leistung im Ausdauersport zu führen [Quelle 1, 2].

Bringt nichts. Schadet nichts?

Nun ist nicht nur möglicherweise kein positiver Effekt im Sport möglich, mehr Nitrat im Blut kann auch riskant sein.

Nitrat kommt natürlicherweise in Nahrungsmitteln vor – eben in Roter Rübe oder auch in Blattgemüse. Es wird aber auch als Lebensmittelzusatzstoff beispielsweise in Fleischwaren eingesetzt. Auch in Düngemittel ist Nitrat enthalten und kann dadurch ins Grundwasser gelangen. Deshalb gilt Nitrat im Wasser als Umweltschadstoff [Quelle 5].

Ein Zuviel an Nitrat im Körper kann einerseits den Sauerstofftransport im Blut einschränken und andererseits Stoffe im Körper bilden, die als krebserregend gelten. Als sicher gelten 3,7 Milligramm Nitrat pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag – so die Einschätzung von Fachleuten der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) [Quelle 5].

Für eine Frau mit 75 Kilogramm wären das knapp 280 Milligramm pro Tag. Maximal 3500 Milligramm Nitrat dürfen in einem Kilogramm Rote Rübe enthalten sein, um in Österreich verkauft werden zu können [Quelle 8]. Das würde bedeuten: Damit die Frau laut Fachleuten der EFSA auf der sicheren Seite bleibt, könnte sie umgerechnet ungefähr 80 Gramm Rote Rüben pro Tag essen.

Der tatsächliche Nitratgehalt von Nahrungsmitteln hängt etwa von Licht, Erntezeitpunkt und landwirtschaftlicher Praxis ab: Der Nitratgehalt ist höher, wenn die Pflanzen weniger Licht haben, erst spät im Jahr geerntet werden und mehr Düngemittel für sie verwendet wurde. Eine gelegentliche Überschreitung der Grenzwerte ist aber laut Fachleuten der EFSA nicht gefährlich [Quelle 5].

Werbung mit Roter Rübe oder Nitrat: nicht erlaubt

Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln in der Europäischen Union dürfen nicht mit der Wirksamkeit von Nitrat oder Roter Rübe werben. Es gibt keine einzige zugelassene gesundheitsbezogene Angabe, einen sogenannten Health Claim, da es für keine einzige wissenschaftliche Belege gibt [Quelle 3].

Die Studien im Detail

Nach welchen Studien haben wir gesucht?

Wir haben in zwei internationalen wissenschaftlichen Datenbanken nach randomisiert-kontrollierten Studien gesucht. Denn um die Wirksamkeit einer Behandlung zu untersuchen, ist diese Studienart die aussagekräftigste. In solchen Studien werden die Teilnehmenden per Zufall einer von zwei Gruppen zugeteilt. Die eine Gruppe schluckt idealerweise eine Rote-Rüben-Kapsel oder trinkt Rote-Rüben-Saft, während die Kontrollgruppe eine Placebo-Kapsel oder einen Placebo-Saft – also ein Scheinmittel – einnimmt oder trinkt. Weder die Forschenden noch die Teilnehmenden sollten wissen, wer welcher Gruppe angehört. In diesem Fall ist die Studie verblindet und der Placebo-Effekt kann die Ergebnisse nicht verzerren. Das macht die Studie aussagekräftiger.

Eine perfekte Verblindung ist bei Roter Rübe schwierig. In einigen Studien wurde Preiselbeersaft als Placebo verwendet. Der Geschmack unterscheidet sich jedoch stark von einem Rote-Rüben-Saft. In den meisten Studien wurde aber Rote-Rüben-Saft verwendet, dem das Nitrat im Labor entzogen wurde. Somit war Aussehen und Geschmack gleich, der zu untersuchende Stoff (Nitrat) war im Placebo-Saft aber nicht enthalten.

Wie aussagekräftig sind die Studien?

Wir fanden zwei Übersichtsarbeiten, die bisherige randomisiert-kontrollierte Studien zusammenfassten und ein Gesamtergebnis berechneten [Quelle 1, 2].

Eine Übersichtsarbeit fasste die Ergebnisse von 4 Studien zusammen, in denen 61 Menschen Belastungstests machten [Quelle 2]. Vor den Belastungstests nahmen die Teilnehmenden einmalig Rote-Rüben-Saft oder einen Placebo-Saft zu sich, der möglichst ähnlich schmeckte und aussah. Gemessen wurde, ob die Teilnehmenden durch die Rote Rübe weniger schnell erschöpft waren und ob sie schneller laufen und Rad fahren konnten. Der Rote-Rüben-Saft hatte aber keinen Effekt.

Eine weitere Übersichtsarbeit fasste die Ergebnisse von 5 Studien zusammen, an denen 103 Menschen Tests machten, um ihre Erschöpfung im Ausdauersport zu messen [Quelle 1]. Teilnehmende nahmen Rote Rübe täglich über mehrere Wochen (4 bis 12 Wochen) ein, absolvierten 3 bis 4 Trainings die Woche mit Trainingseinheiten von etwa 20 Minuten bis zu einer Stunde. Auch die zusammengefassten Ergebnisse dieser Übersichtsarbeit zeigen: Der Rote-Rüben-Saft hatte keinen Effekt.

Die Ergebnisse sind allerdings nicht gut abgesichert, da zu wenige Menschen an den Studien teilnahmen und diese Mängel hatten. Beispielsweise wurden nicht alle Ergebnisse in den Studien berichtet und teilweise war unklar, wie genau gemessen wurden.

Da die Studien nicht so aussagekräftig sind, könnten weitere Studien das Ergebnis bestätigen, abschwächen aber auch widerlegen.

[1] Hogwood et al. (2023)

Limited Effects of Inorganic Nitrate Supplementation on Exercise Training Responses: A Systematic Review and Meta-analysis. Sports Med Open, 9(1), 84. (Link zur Studie)

[2] Zart& Fröhlich (2025)

Ergogenic effects of supplement combinations on endurance performance: a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. J Int Soc Sports Nutr, 22(1), 2524033. (Link zur Studie)

[3] Europäische Kommission (2026)

Food and Feed Information Portal Database Abgerufen am 29.05.2026 unter: ec.europa.eu

[4] UpToDate (2026)

Nutritional and non-medication supplements permitted for performance enhancement. Abgerufen am 08.05.2026 unter uptodate.com

[5] European Food Safety Authority (2017)

EFSA confirms safe levels for nitrites and nitrates added to food Abgerufen am 29.05.2026 unter efsa.europa.eu

[6] AGES (2024)

Nationales Nitratkontrollprogramm in Gemüse. Abgerufen am 29.05.2026 unter ages.at

[7] Europäische Kommission (2011)

VERORDNUNG (EU) Nr. 1258/2011 DER KOMMISSION vom 2. Dezember 2011 zur Änderung der Verordnung (EG) Nr. 1881/2006 bezüglich der Höchstgehalte für Nitrate in Lebensmitteln Abgerufen am 29.05.2026 unter eur-lex.europa.eu

[8] Österreichisches Lebensmittelbuch (2026)

Aktionswerte für bestimmte Kontaminanten in Lebensmitteln. Abgerufen am 02.06.2026 unter lebensmittelbuch.at 

02.06.2026: Erstveröffentlichung des Faktenchecks

In über 600 Faktenchecks suchen