Startseite ● Magnesium gegen Krämpfe? Bringt wahrscheinlich nichts Magnesium gegen Krämpfe? Bringt wahrscheinlich nichts Magnesium gilt als Mittel gegen Muskelkrämpfe. Doch Studien zeigen: Es hilft wahrscheinlich nicht. 25. August 2026 AutorIn: Teresa König Review: Jana Meixner Teilen Teilen × Wähle einen Dienst. Es werden keine Social-Plugins geladen. WhatsApp Bluesky Facebook LinkedIn Link kopieren Hilft Magnesium bei Muskelkrämpfen ohne erkennbare Ursache? wahrscheinlich nicht Hilft Magnesium bei Muskelkrämpfen durch Sport? wissenschaftliche Belege fehlen Magnesium hilft wahrscheinlich nicht gegen Muskelkrämpfe. Das wurde in aussagekräftigen Studien festgestellt. Keine einzige aussagekräftige Studie hat hingegen untersucht, ob Magnesium bei Krämpfen durch Sport helfen kann. so arbeiten wir Magnesium wahrscheinlich kein wirksames Mittel bei Krämpfen ©iStock – Staras Ob mitten in der Nacht oder beim Joggen: Ein stechender Schmerz in der Wade, der Muskel wird hart und lässt nicht mehr locker. Solch ein Krampf ist ein unfreiwilliges Zusammenziehen des Muskels, der oft beim Sport oder völlig überraschend im Schlaf auftritt. Die Lösung scheint für viele klar zu sein: Magnesium. Das wirkt erst einmal auch plausibel und nachvollziehbar, denn Magnesium ist für die Funktion unserer Muskeln und Nerven lebensnotwendig. Doch ist es tatsächlich so einfach? Wir haben uns angesehen, ob es denn auch Belege für die Wirksamkeit von Magnesium gibt. Oder, ob es als Nahrungsergänzungsmittel vor allem gut fürs Geschäft ist. Magnesium dürfte bei einem Krampf nicht helfen Eine Antwort konnten wir in mehreren gut gemachten Studien finden: Magnesium kann die Anzahl der Krämpfe pro Woche wahrscheinlich nicht verringern. Es macht die Krämpfe vermutlich auch nicht weniger schmerzhaft [Quelle 2]. Diese Ergebnisse sind recht gut abgesichert. Erstaunlicherweise gibt es bisher keine einzige verlässliche Studie dazu, ob Magnesium speziell gegen Krämpfe beim Sport hilft [Quelle 2]. Mehr zu Details und der Aussagekraft der Studien finden sich im Abschnitt Studien im Detail. Sicherheit: Was bei Magnesium zu beachten ist Magnesium ist vor allem in Getreide, Gemüse, Meeresfrüchten oder Fleisch zu finden. Wer also auf eine ausgewogene Ernährung achtet, kann den täglichen Bedarf an Magnesium decken. In üblichen Mengen ist es für die meisten Menschen gut verträglich. Das heißt: Zusätzlich zu Magnesium aus Lebensmittel gelten bis zu 250 Milligramm Magnesium pro Tag als sicher – so die Einschätzung von Fachleuten des Bundesinstituts für Risikobewertung. Mehr davon kann Durchfall oder weichen Stuhl verursachen. Das überschüssige Magnesium wird bei gesunden Menschen über den Urin ausgeschieden. Bei Menschen mit Nierenschwäche kann es aber auch zu einer gefährlichen Magnesium-Vergiftung kommen [Quelle 2, 3, 5, 6]. Ein Magnesium-Mangel ist in Ländern wie Österreich, Deutschland und der Schweiz sehr selten. Ein möglicher Mangel sollte aber immer mit einer Ärztin oder einem Arzt besprochen werden, um mögliche Ursachen abzuklären. Er tritt meist infolge bestimmter Erkrankungen – etwa der Nieren – oder durch die Einnahme spezieller Medikamente auf. Nachweisen lässt sich ein Mangel mithilfe eines Bluttests, bei dem die Magnesium-Konzentration im Serum bestimmt wird [Quelle 3, 4]. Gesundheitsversprechen sind streng geregelt Nahrungsergänzungsmittel gelten rechtlich als Lebensmittel. Im Gegensatz zu Arzneimitteln müssen sie daher keine strengen Zulassungsverfahren durchlaufen, bei denen ihre Wirksamkeit mit Studien belegt wird. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) legt genau fest, welche gesundheitsbezogenen Aussagen zulässig sind. Erlaubt sind ausschließlich Behauptungen, für die es Belege gibt. Da es keine Belege für die Wirksamkeit von Magnesium gegen Krämpfe gibt, darf damit auch nicht geworben werden. Das gilt auch für die Bewerbung durch Influencer und Influencerinnen in sozialen Medien [Quelle 4, 7]. Warum Muskeln plötzlich krampfen – und was dagegen hilft Ein Muskelkrampf kommt plötzlich: Der Muskel zieht sich unfreiwillige und schmerzhaft zusammen und fühlt sich dabei verhärte an. Besonders häufig sind Waden oder Füße betroffen. Ausgelöst wird ein Muskelkrampf durch überaktive Nervenzellen. Sie senden zu häufig Signale an die Muskelzellen. Dadurch bleibt der Muskel angespannt. Bei der Entspannung von Muskeln spielt Magnesium eine Rolle – deshalb kann ein Magnesiummangel einen Muskelkrampf begünstigen. Ein Muskelkrampf bedeutet aber nicht automatisch, dass ein Mangel vorliegt. Sollte bei einer Untersuchung durch eine Ärztin oder einen Arzt ein Magnesiummangel festgestellt werden, kann dieser mit einem Magnesium-Präparat behandelt werden. Bei einem akuten Krampf kann kräftiges Dehnen des betroffenen Muskels helfen [Quelle 8, 9]. Die Studien im Detail Nach welchen Studien haben wir gesucht? Um herauszufinden, ob Magnesium tatsächlich gegen Muskelkrämpfe hilft, haben wir in drei internationalen wissenschaftlichen Datenbanken nach aussagekräftigen Studien gesucht. Unser Fokus lag dabei auf randomisiert-kontrollierten Studien. In solchen Studien werden Teilnehmende per Zufall einer von zwei Gruppen zugeteilt. Eine Gruppe nimmt ein Magnesium-Präparat ein, die andere ein Schein-Präparat (Placebo). Im Idealfall wissen dabei weder die Teilnehmenden noch die Forschenden, wer welches Präparat erhält. Das nennen Fachleute eine Verblindung. Diese verhindert, dass Erwartungen das Ergebnis verfälschen. Wir fanden eine Zusammenfassung – eine sogenannte Übersichtsarbeit – von 11 randomisiert-kontrollierte Studien [Quelle 2] sowie eine weitere, neuere randomisiert-kontrollierte Stude [Quelle 1]. An diesen Studien nahmen Erwachsene Teil, die von nächtlichen Beinkrämpfen oder Krämpfen ohne eindeutige Ursache betroffen waren. In den Studien wurden verschiedene Magnesium-Verbindungen untersucht, die in gängigen Produkten zu finden sind, wie beispielsweise Magnesiumcarbonat, Magnesiumcitrat oder Magnesiumoxid. Zu einem Krampf nach körperlicher Anstrengung oder Sport konnten wir keine einzige randomisiert-kontrollierte Studie finden. Studien mit schwangeren Frauen haben wir in diesem Faktencheck nicht berücksichtigt. Die Ergebnisse sind recht eindeutig: Nach etwa einem Monat zeigte sich zwischen Magnesium und Placebo kein Unterschied. Weder die Anzahl noch die Intensität oder die Dauer der Krämpfe konnte durch Magnesium reduziert werden [Quelle 1, 2]. Die neuere Einzelstudie untersuchte die Teilnehmenden noch einen weiteren Monat. Sie liefert den Hinweis, dass die Anzahl der Krämpfe nach zwei Monaten täglicher Magnesium-Einnahme zurückgehen könnte – nicht aber deren Intensität [Quelle 1]. Warum dieses Ergebnis nicht besonders vertrauenswürdig ist, ist im folgenden Abschnitt zu lesen. Wie aussagekräftig sind die Studien? In den Studien der Übersichtsarbeit [Quelle 2] wurde untersucht, wie sich Magnesium im Vergleich zu einem Placebo auf die Anzahl (in 5 Studien mit 307 Teilnehmenden), Intensität (in 2 Studien mit 91 Teilnehmenden) und Dauer der Krämpfe (in 1 Studie mit 46 Teilnehmenden) auswirkt. Zusammengenommen ist die Aussagekraft der Ergebnisse hoch, sie wird aber ein wenig eingeschränkt durch teilweise widersprüchliche Ergebnisse der Studien oder die geringe Teilnehmenden-Anzahl. In der neueren einzelnen Studie [Quelle 1] wurde Magnesium ebenso mit einem Placebo verglichen. 173 Teilnehmende waren an der Studie beteiligt. Die Ergebnisse dieser Studie sind nicht ganz so aussagekräftig, da es Unklarheiten über die Geheimhaltung der zufälligen Zuteilung zu den zwei Gruppen und methodische Mängel in der statistischen Auswertung gibt. Hinzu kommt, dass die Studie vom Hersteller des untersuchten Magnesium-Präparats finanziert wurde. Da dieser ein wirtschaftliches Interesse an einem positiven Ergebnis hat, besteht ein Interessenskonflikt. Das Ergebnis nach zwei Monaten sollte deshalb vorsichtig interpretiert werden: Es stammt aus nur einer Studie und ist weniger zuverlässig als die Ergebnisse der Übersichtsarbeit. Wissenschaftliche Quellen [1] Barna et al. (2021). A randomized, double-blind, placebo-controlled, multicenter study assessing the efficacy of magnesium oxide monohydrate in the treatment of nocturnal leg cramps [Journal article]. Nutrition journal, 20(1), 90. (Link zur Studie) [2] Garrison et al. (2020). Magnesium for skeletal muscle cramps. Cochrane Database Syst Rev, 9(9), Cd009402. (Link zur Studie) [3] Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). (2025). Magnesium. Abgerufen am 17.08.2026 unter gesundheitsinformation.de [4] Verbraucherzentrale e.V. (2026). Magnesium – was ist zu beachten? Abgerufen am 17.08.2026 unter verbraucherzentrale.de [5] Bundesinstitut für Risikobewertung. (2017). BfR bewertet empfohlene Tageshöchstmenge für die Aufnahme von Magnesium über Nahrungsergänzungsmittel. Abgerufen am 13.08.2026 unter bfr.bund.de [6] Bundesinstitut für Risikobewertung. Höchstmengenvorschläge für Magnesium in Lebensmitteln inklusive Nahrungsergänzungsmitteln. Abgerufen am 13.08.2026 unter bfr.bund.de [7] Europäische Kommission. (2026). Food and feed Information Portal Database. Abgerufen am 17.08.2026 unter ec.europa.eu [8] UpToDate. (2025). Nocturnal muscle cramps. Abgerufen am 17.08.2026 unter uptodate.com (kostenpflichtig) [9] UpToDate. (2024). Hypomagnesemia: Clinical manifestations of magnesium depletion. Abgerufen am 17.08.2026 unter uptodate.com (kostenpflichtig) Versionsgeschichte 25.08.2026: Update des Faktenchecks. An unserer Einschätzung der Evidenzlage hat sich trotz neuerer Studien nichts geändert, der Artikel wurde aber vollständig überarbeitet. 21.05.2015: Erstveröffentlichung des Faktenchecks Schlagworte BewegungKrampfMagnesiumMuskelkrämpfeMuskelnNahrungsergänzungNahrungsergänzungsmittelSport In über 600 Faktenchecks suchen Suchbegriff eingeben: Suchen