Startseite ● Sport scheint bei Depression zu helfen Sport scheint bei Depression zu helfen Sport und Bewegung scheinen bei Depression etwas zu helfen – wahrscheinlich ähnlich gut wie Psychotherapie und Antidepressiva. 04. Februar 2026 AutorIn: Teresa König Review: Jana Meixner Teilen Teilen × Wähle einen Dienst. Es werden keine Social-Plugins geladen. WhatsApp Bluesky Facebook LinkedIn Link kopieren Hilft Sport bei Depression? möglicherweise Sport scheint bei Depression ein wenig zu helfen – wahrscheinlich ähnlich gut wie Psychotherapie und Antidepressiva. Das zeigen die zusammengefassten Ergebnisse bisheriger Studien. Die Studien dazu sind allerdings teilweise mangelhaft und deshalb eingeschränkt aussagekräftig. Gänzlich unklar ist, wie lange der positive Effekt anhält und ob Bewegung eine Depression langfristig bekämpfen kann. so arbeiten wir Bewegung als Therapie: Der Depression einfach davonlaufen? © Zorica Nastasic – iStock Beim Sport den Kopf „frei bekommen“ – dieses Gefühl kennen viele Menschen. Doch kann diese positive Erfahrung auch Menschen mit Depression helfen? Gibt es dafür Belege, die über die Erfahrungsberichte einzelner hinausgehen? Ja, es gibt Belege dafür, dass Bewegung bei Depression möglicherweise etwas hilft. Denn es haben sehr viele Menschen mit nachgewiesener Depression ausprobiert, ob sich ihre Beschwerden bessern, wenn sie sich regelmäßig bewegen. Dieses Ausprobieren fand gemeinsam mit Forschenden statt – es wurden also Studien durchgeführt. Diese Studien hat das unabhängige Forschungsnetzwerk Cochrane in einer großen Übersichtsarbeit zusammengefasst und ein Gesamtergebnis berechnet [Quelle 1]. Insgesamt haben 2.189 Menschen in den Studien gemeinsam mit Forschenden herausgefunden: Bewegung scheint bei Depressionen etwas zu helfen. Die Grafik zeigt: Wie es den Teilnehmenden vor und nach regelmäßiger Bewegung ging, wurde mit Hilfe eines standardisierten Fragebogens und eines Punkte-Scores erhoben (Beck-Depressions-Inventar, BDI). Null Punkte entsprechen keiner Depression, 63 Punkte der schwerstmöglichen. Damit Menschen überhaupt eine Besserung ihrer Depression merken, müsste ein Unterschied von zumindest fünf Punkten zu sehen sein. Mit Bewegung besserten sich die Beschwerden um durchschnittlich 7,4 Punkte [Quelle 1]. Die Grafik stellt eine angenommene mittelschwere Depression (ca. 25 Punkte) als Ausgangssituation dar. Basierend auf den Auswertungen bisheriger Studien ist aber unklar, welcher Effekt genau bei welcher Depressionsstärke zu beobachten war. Gehend, laufend, drehend oder drückend Wie bewegten sich die Teilnehmenden in den Studien? Welche Sportarten machten sie? Die Forschenden der Übersichtsarbeit haben Bewegung ungefähr so definiert: eine geplante, strukturierte und wiederholte körperliche Bewegung, die den Körper fit macht oder fit hält. Also gingen je nach Studie Menschen beispielsweise laufen, fuhren mit dem Fahrrad, trainierten am Heimtrainer, tanzten oder gingen spazieren – sie machten also Ausdauertraining. In manchen Studien wurde auch Krafttraining oder eine Kombination aus Ausdauer- und Krafttraining untersucht. Die regelmäßigen Bewegungseinheiten fanden über einen unterschiedlich langen Zeitraum statt, von 10 Tagen bis zu ungefähr einem halben Jahr [Quelle 1]. Besserung wahrscheinlich vergleichbar mit Psychotherapie und Antidepressiva Andere Studien mit weniger Teilnehmenden zeigen auch: Bewegung dürfte gleich gut helfen wie Psychotherapie und Antidepressiva [Quelle 1]. Wie gut eine Psychotherapie hilft, hängt unter anderem vom Schweregrad, der Art und Dauer der Depression sowie von der Persönlichkeit der Betroffenen, der Beziehung zur Therapeutin oder zum Therapeuten und der aktuellen Lebenssituation ab. Wie wirksam eine Psychotherapie ist, beschreibt die Plattform gesundheitsinformation.de detailliert. Eine Therapie mit Antidepressiva ist ebenso eine Möglichkeit, eine Depression zu behandeln. Je schwerer die Depression ist, umso eher überwiegt der Nutzen von Antidepressiva im Vergleich zu den Nebenwirkungen. Bei Antidepressiva ist meist schwer vorhersehbar, wem welches Medikament hilft. Das muss meist erst ausprobiert werden – gemeinsam mit Ärztinnen und Ärzten. Wie wirksam Antidepressiva sind und wie groß der zu erwartende Effekt ist, kann auf der Plattform gesundheitsinformation.de nachgelesen werden. Beide Therapieansätze können auch in Kombination wirksam sein und kommen eher bei mittelschweren bis schweren Depressionen infrage. Hilft Bewegung allen gleich? Auch zu Bewegung als Therapiemöglichkeit gibt es ungeklärte Fragen, die in bisherigen Studien zu wenig (aussagekräftig) untersucht wurden. Unklar ist, ob Bewegung auch Menschen mit schwerer Depression hilft. Für schwer Betroffene ist es immerhin besonders schwierig, in Bewegung zu kommen. In den verfügbaren Studien nahmen Menschen mit unterschiedlich schwerer Depression teil. Eine gesonderte Auswertung nach Depressions-Schwere gibt es nicht. Ebenfalls unklar ist: Ob eine bestimmte Bewegungsart bei Depression besonders gut hilft. Wie lange und wie oft trainiert werden soll für einen möglichst großen Effekt. Wie lange der Effekt nach Abschluss des Trainings erhalten bleibt. Und ob das Training drinnen oder im Freien besser abschneidet. Sport: Therapie mit wenigen Nebenwirkungen Betrachten wir Sport als Therapie, tut sich auch die Frage nach möglichen Nebenwirkungen auf. In den Studien hatten manche Teilnehmenden Muskel- oder Gelenksbeschwerden – wie das bei sportlicher Betätigung eben passieren kann. Es gab auch Teilnehmende, bei denen die Depression nach Beginn des Bewegungsprogramms sogar noch schlimmer wurde. Insgesamt traten Nebenwirkungen allerdings selten auf [Quelle 1]. Depression: mehr als nur schlechte Laune In Österreich und Deutschland haben ungefähr 16 bis 20 von 100 Menschen im Laufe ihres Lebens eine Depression [Quelle 2]. Wer eine Depression hat, ist unter anderem oft traurig und niedergeschlagen, empfindet eine innere Leere, Gefühllosigkeit und Unruhe. Sorgen und Ängste können quälend sein [Quelle 4]. Ob es sich bei diesen Beschwerden tatsächlich um eine Depression handelt, können Ärztinnen und Ärzte durch gezielte standardisierte Fragen herausfinden. Wichtig ist auch, dass vor der Diagnose Depression andere körperliche Ursachen ausgeschlossen werden, wie zum Beispiel eine Schilddrüsen-Unterfunktion [Quelle 3]. Gemeinsam kann herausgefunden werden, welche Behandlung geeignet ist. Neben Bewegung können etwa Psychotherapie und Medikamente (Antidepressiva) helfen [Quelle 5]. Verlässliche Informationen zu der Erkrankung finden Sie auf der Plattform gesundheitsinformation.de. Was tun in der Krise? In psychischen Krisensituationen können Sie sich rund um die Uhr kostenlos und anonym Hilfe holen: Krisen-Nummern Österreich Krisen-Nummern Deutschland Krisen-Nummern Schweiz Die Studien im Detail Nach welchen Studien haben wir gesucht? Wir haben in zwei internationalen wissenschaftlichen Datenbanken nach sogenannten randomisiert-kontrollierten Studien gesucht. Diese Studienart ist die aussagekräftigste, da dabei die Teilnehmenden per Zufall auf zwei Gruppen aufgeteilt werden. In der Behandlungsgruppen machen Menschen regelmäßig Bewegung, während Menschen der Kontrollgruppe gar keine Bewegung, Psychotherapie, eine Therapie mit Antidepressiva oder eine andere Kontroll-Behandlung machen. Besonders aussagekräftig ist eine Studie, wenn weder Teilnehmende noch Forschende wissen, wer welcher Gruppe angehört. Das nennt man doppelte Verblindung. Die Teilnehmenden zu verblinden ist bei Sport allerdings nicht möglich. Wie aussagekräftig sind die Studien? Wir fanden eine große solide durchgeführte Übersichtsarbeit, in der alle bisherigen randomisiert-kontrollierten Studien bis einschließlich November 2023 zusammengefasst sind [Quelle 1]. Die einzelnen Studien haben unterschiedliche Fragen untersucht: 57 Studien mit 2.189 Teilnehmenden untersuchten, ob Bewegung im Vergleich zu keiner Behandlung oder im Vergleich zu einer Kontroll-Behandlung (ausgenommen Psychotherapie und Therapie mit Antidepressiva) hilft. Bewegung scheint etwas zu helfen, das Ergebnis ist aber nicht so gut abgesichert. 10 Studien mit 414 Teilnehmenden untersuchten, ob Bewegung im Vergleich zu Psychotherapie Bewegung hilft wahrscheinlich ähnlich gut wie Psychotherapie. Das Gesamt-Ergebnis ist recht gut abgesichert. 5 Studien mit 330 Teilnehmenden untersuchten, ob Bewegung im Vergleich zu Antidepressiva Bewegung hilft wahrscheinlich ähnlich gut wie eine Therapie mit Antidepressiva. Das Ergebnis ist recht gut abgesichert. Dass die Gesamt-Ergebnisse teilweise nicht so gut abgesichert sind, liegt unter anderem an folgenden Mängeln: Wie stark die Depression ist und ob sie sich im Laufe der Studie verändert, kann sowohl von den Teilnehmenden selbst als auch vom Studienpersonal erhoben werden. Dass Teilnehmende wissen, ob sie in der Behandlungs- oder der Kontrollgruppe sind, ist klar – sie sind also nicht verblindet. Erwartungen können das Ergebnis verzerren, ist aber in diesem Fall nicht vermeidbar. Um die Verzerrung etwas zu reduzieren, sollte zumindest das Studienpersonal verblindet sein. Doch das war in vielen Studien nicht der Fall. Ob die zufällige Zuteilung zu Behandlungs- und Kontrollgruppe tatsächlich funktionierte, ist teilweise unklar. Auch das kann das Ergebnis verzerren. Unklar ist auch, ob in allen Studien alle Ergebnisse berichtet wurden. Teilweise waren die Daten unvollständig. Wissenschaftliche Quellen [1] Clegg et al. (2026). Exercise for depression. Cochrane Database Syst Rev, 1(1), CD004366. (Link zu Studie) [2] Institut für die Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). (2023). Depression – Häufigkeit. Abgerufen am 27.01.2026 unter gesundheitsinformation.de. [3] Institut für die Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). (2023). Depression – Diagnose. Abgerufen am 27.01.2026 unter gesundheitsinformation.de. [4] Institut für die Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). (2023). Depression – Symptome. Abgerufen am 27.01.2026 unter gesundheitsinformation.de. [5] Institut für die Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). (2023). Depression – Behandlung. Abgerufen am 27.01.2026 unter gesundheitsinformation.de. Versionsgeschichte 4.2.2026: Update des Faktenchecks. Berücksichtigung eines Updates einer systematischen Übersichtsarbeit. Unsere Einschätzung ändert sich von „wirkt wahrscheinlich“ auf „wirkt möglicherweise“. Denn im Vergleich zu keiner Therapie oder einer Kontroll-Therapie (exkl. Antidepressiva und Psychotherapie) scheint Sport bei Depression zwar zu helfen, die Studien dazu sind aber mangelhaft und deshalb nicht so aussagekräftig. 12.9.2017: Update des Faktenchecks. Zwei aktuellere systematische Übersichtsarbeiten ändern unsere Einschätzung nicht. 11.2.2014: erste Version des Faktenchecks Schlagworte BewegungDepressionDepressionenSport In über 600 Faktenchecks suchen Suchbegriff eingeben: Suchen