Startseite ● Probiotika zum Abnehmen: wahrscheinlich nicht wirksam Probiotika zum Abnehmen: wahrscheinlich nicht wirksam Auch wenn in der Werbung oft anderes behauptet wird, mit Probiotika abzunehmen, dürfte nicht funktionieren. 12. März 2026 AutorIn: Teresa König Review: Jana Meixner Teilen Teilen × Wähle einen Dienst. Es werden keine Social-Plugins geladen. WhatsApp Bluesky Facebook LinkedIn Link kopieren Helfen Probiotika beim Abnehmen? wahrscheinlich nicht Mit Probiotika dürfte eine Erwachsene im Schnitt weniger als ein Kilogramm innerhalb eines halben Jahres abnehmen können. Mit den häufig in Probiotika vorkommenden Laktobazillen ist der Gewichtsverlust ähnlich gering. Das ergibt eine umfassende Bewertung von bisherigen Studien. Die Ergebnisse sind recht gut abgesichert. Hersteller, die damit werben, dass Probiotika beim Abnehmen helfen oder gar ähnlich gut wirken wie Medikamente, tun dies verbotenerweise. Denn der Effekt von Probiotika ist zu klein, um bedeutend für die Gesundheit zu sein. so arbeiten wir Hype um Nichts: Probiotika dürften beim Abnehmen nicht helfen. iStock (c) fcafotodigital Mit Werbebotschaften wie „Probiotika zum Abnehmen“ und „Alternative zur Abnehmspritze“ ist uns das österreichische Unternehmen Biogena aufgefallen. Damit bewirbt es eines seiner Nahrungsergänzungsmittel – ein Probiotikum. Mit Probiotika als Abnehmhilfe wirbt nicht nur Biogena. Dennoch sind die Aussagen dieses Unternehmens besonders konkret. Das hat uns neugierig gemacht. Denn so eine Behauptung ist nur erlaubt, wenn die Wirksamkeit des Produkts tatsächlich belegt ist [Quelle 14]. Werbung ohne Belege: „Probiotika zum Abnehmen“ In unserer Recherche in internationalen wissenschaftlichen Datenbanken konnten wir keine einzige Studie finden, die das Produkt von Biogena untersuchte. Es gibt auch keine einzige Studie zur selben Kombination der darin enthaltenen Bakterienstämme. Wir haben deshalb direkt bei Biogena nachgefragt. Eine Antwort kam rasch. Und sie enthielt vier Studien. Aber: In keiner dieser Studien ging es um das beworbene Produkt oder um die Kombination der Bakterienstämme darin, nur um einzelne Bakterienstämme. Diese Studien taugen alle nicht als Beleg für die Wirksamkeit des Produkts. Mehr dazu in den Studien im Detail. Um tatsächlich beantworten zu können, ob Probiotika beim Abnehmen helfen, müssen wir alle relevanten Studien beachten – nicht nur ein paar wenige. Was die Wissenschaft bisher weiß Wir haben in zwei Forschungs-Datenbanken nach allen Studien gesucht, in denen viele Menschen über einen längeren Zeitraum Probiotika unterschiedlichster Zusammensetzungen oder ein Scheinmittel (Placebo) eingenommen und ihr Gewicht gemeinsam mit Forschenden kontrolliert haben. Wir fanden zwei Übersichtsarbeiten, die die bisherigen Studien aussagekräftig zusammenfassen und ein Gesamtergebnis berechneten [Quelle 2, 3]. Die Menschen, die Probiotika einnahmen, verloren innerhalb eines halben Jahres nicht einmal ein Kilogramm mehr Gewicht als die Menschen, die das Placebo eingenommen haben (siehe Studien im Detail). Effekt ist zu klein, um bedeutend zu sein Ein derart kleiner Gewichtsverlust ist für die Gesundheit nicht relevant. Fachleute empfehlen innerhalb eines halben Jahres zumindest 5 Prozent des Gewichts zu verlieren [Quelle 10, 11]. Nehmen wir also an, eine erwachsene Frau mit einer Größe von 170 Zentimetern wiegt 80 Kilogramm. Der BMI liegt somit bei fast 28 und bedeutet Übergewicht [Quelle 12]. Um ihre Gesundheit zu verbessern, sollte die Frau innerhalb eines halben Jahres etwa 4 Kilogramm verlieren. Das ist mit Probiotika nicht möglich. Dasselbe wurde auch für Kinder und Jugendliche untersucht. Auch ihnen helfen Probiotika wahrscheinlich nicht beim Abnehmen [Quelle 4]. Die Ergebnisse der Studien sind ganz gut abgesichert. Warum dennoch eine Restunsicherheit besteht, erklären wir in den Studien im Detail. Ob Probiotika Nebenwirkungen haben, wurde in den meisten Studien nicht untersucht. Gravierende gesundheitliche Probleme schienen aber nicht aufgefallen zu sein. Auch Laktobazillen taugen nicht als „Abnehm-Produkt“ Probiotikum ist ein Sammelbegriff für viele verschiedene Mikroorganismen in einem Produkt. Sprechen wir von Probiotika, sind das mehrere Produkte. In Probiotika, die zum Abnehmen beworben werden, findet sich häufig eine Art der Milchsäurebakterien – die sogenannten Laktobazillen. So auch im Biogena-Produkt. Menschen können innerhalb eines halben Jahres mit Laktobazillen im Schnitt 1,2 Kilogramm mehr an Gewicht verlieren als Menschen mit einem Placebo. Zu diesem Ergebnis kommt eine Zusammenfassung bisheriger Studien [Quelle 5]. Da aber auch diese Gewichtsreduktion für die Gesundheit nicht relevant ist, dürfen auch Laktobazillen nicht als „Abnehm-Produkt“ beworben werden. Die Ergebnisse der Studien sind gut abgesichert (siehe Studien im Detail). Probiotika sind keine „Alternative zur Abnehmspritze“ So klein der Abnehm-Effekt von Probiotika – egal in welcher Zusammensetzung – ist, umso erstaunlicher ist die Aussage „Alternative zur Abnehmspritze“ von Biogena. Mit der „Abnehmspritze“ Ozempic (Wirkstoff Semaglutid) ist beispielsweise ein Gewichtsverlust von durchschnittlich 11 Prozent in einem halben bis eineinhalb Jahren möglich. Eine erwachsene Frau mit 80 Kilogramm könnte somit im Schnitt etwa 9 Kilogramm abnehmen [Quelle 17]. Medikamente wie Ozempic können allerdings Risiken und Nebenwirkungen haben. Nicht erlaubte Werbung mit Probiotika Gesundheits-Behauptungen in der Werbung sind nicht erlaubt. Es sei denn, sie sind wissenschaftlich belegt und zugelassen [Quelle 14]. Für Probiotika gibt es in der Europäischen Union keine einzige zugelassene Gesundheits-Behauptung [Quelle 15, 16]. Das gilt auch für jeden einzelnen Bakterienstamm im Biogena-Produkt in Zusammenhang mit Gewichtsreduktion. Die Werbeaussagen „Probiotika zum Abnehmen“ und „Alternative zur Abnehmspritze“ sind deshalb verboten. Abnehmen: Wie kann es stattdessen funktionieren? Etablierte Abnehmprogramme kombinieren eine Ernährungsumstellung mit mehr Bewegung und Verhaltensänderungen. Abzunehmen gelingt in der Regel schrittweise. Es ist wichtig, dass man weniger Kalorien isst, als man verbraucht. Wenig Einfluss hat hingegen, wie genau die Nahrung aus Kohlehydraten, Fett und Eiweiß zusammengesetzt ist. Mehr Gewicht können diejenigen verlieren, die sich zusätzlich auch bewegen. Bewegung hat außerdem auch viele andere gesundheitliche Vorteile. Ziel ist also: eine dauerhafte Änderung des Lebensstils. Reichen Ernährung, Bewegung und Verhalten nicht aus, um das Gewicht ausreichend zu reduzieren, sind verschreibungspflichtige Medikamente oder Operationen Möglichkeiten [Quelle 13]. Mehr Infos dazu hat die deutsche Plattform gesundheitsinformation.de zusammengefasst. Die Studien im Detail Nach welchen Studien haben wir gesucht? Wir haben zwei Datenbanken nach randomisiert-kontrollierten Studien durchsucht. Sie sind die aussagekräftigste Studienart, um die Wirksamkeit einer Behandlung zu untersuchen. In so einer Studie werden Teilnehmende per Zufall einer von zwei Gruppen zugeteilt. Während die eine Gruppe ein Probiotikum einnimmt, nimmt die Kontrollgruppe idealerweise ein Scheinpräparat (Placebo) ein. Wenn Forschende und Teilnehmende nicht wissen, wer welcher Gruppe angehört, wird die Studie verblindet genannt. Das verhindert, dass der Placebo-Effekt die Ergebnisse verzerrt und macht die Studie noch aussagekräftiger. Wie aussagekräftig sind die Studien? Wir konnten keine einzige Studie zu dem von Biogena beworbenen Produkt finden. Auch fanden wir keine Studie, die zumindest dieselbe Kombination der verwendeten Bakterienstämme untersuchte. Von Biogena zugeschickte Studien: kein Beleg für Wirksamkeit Auf Anfrage bei Biogena, bekamen wir 4 Studien zu einzelnen Bakterienstämmen. An den Studien nahmen zu wenige Menschen – beziehungsweise auch gar keine Menschen, sondern Tiere – teil. Ergebnisse aus Tierstudien können immer nur Hinweise für weitere Forschung sein. Sie können aber nicht einfach auf Menschen umgelegt werden. In Studien mit Menschen müssten genügend von ihnen teilnehmen, damit das Ergebnis nicht zufällig zustande kommt. In einer weiteren Studie wurden die Ergebnisse zum Körpergewicht gar nicht erst berichtet, auch wenn das vor Beginn der Studie geplant war. Somit sind diese Studien nicht aussagekräftig [Quelle 1, 7, 8]. Allein durch Zufall können einzelne Studien auch mit genügend Teilnehmenden einen Effekt finden, wo gar keiner ist – wie es anscheinend bei einer der zugeschickten Studien der Fall war [Quelle 9]. Sich nur diese Studien herauszupicken, nennt man „cherry picking“. Biogena macht genau das, indem sie nur auf einzelne Studien verweist, die scheinbar eine Wirksamkeit zeigen. Eigene Recherche: Zahlreiche Studien entlarven Werbung als verboten Ob übergewichtige erwachsene Menschen mit Probiotika Gewicht verlieren können, konnten zwei Übersichtsarbeiten am aussagekräftigsten beantworten. Sie fassen die Ergebnisse bisher durchgeführter Studien zusammen. Es nahmen insgesamt 849 Erwachsene an 16 Studien [Quelle 3] beziehungsweise 1215 Erwachsene an 17 Studien [Quelle 2] teil. Die Teilnehmenden verloren in bis zu einem halben Jahr mit Probiotika durchschnittlich 0,7 Kilogramm [Quelle 2] beziehungsweise 0,8 Kilogramm [Quelle 3] mehr Gewicht als die Teilnehmenden, die das Placebo eingenommen hatten. Das Vertrauen in die Ergebnisse ist etwas abgeschwächt, da die Studien sehr unterschiedlich sind. Das liegt vor allem daran, dass sehr viele verschiedene Mikroorganismen in unterschiedlichen Dosierungen und über ungleiche Zeiträume eingenommen wurden. Zu dem Schluss, dass Probiotika auch Kindern und Jugendlichen nicht beim Abnehmen helfen, kam eine Übersichtsarbeit des unabhängigen Forschungsnetzwerks Cochrane [Quelle 4]. Weil darin aber nur 4 Studien mit insgesamt 159 Teilnehmenden zusammengefasst wurden, ist unser Vertrauen in das Ergebnis etwas verringert. Studien speziell zu Laktobazillen Wir haben weiters auch nach Studien zu Laktobazillen gesucht. Denn Laktobazillen kommen häufig in zum Abnehmen beworbenen Probiotika vor – so auch im Produkt von Biogena. Ob speziell Laktobazillen das Gewicht beeinflussen können, können zwei andere Übersichtsarbeiten aussagekräftig beantworten. Sie fassen ebenso alle bisherigen Studien zu diesem Thema zusammen. Zusammengerechnet nahmen 891 Erwachsene an insgesamt 12 Studien [Quelle 5] beziehungsweise 667 Erwachsene an 9 Studien [Quelle 6] teil. Während die eine Übersichtsarbeit eine Gewichtsreduktion mit Laktobazillen im Vergleich zu einem Placebo von durchschnittlich 1,2 Kilogramm [Quelle 5] feststellen konnte, war die Gewichtsreduktion in der anderen Übersichtsarbeit so klein, dass sie statistisch nicht signifikant war [Quelle 6]. Beide Übersichtsarbeiten fanden also keinen relevanten Effekt von Laktobazillen. Unser Vertrauen in die Ergebnisse ist hoch, denn die Studien hatten kaum Mängel. Wissenschaftliche Quellen [1] Million et al. (2012). Comparative meta-analysis of the effect of Lactobacillus species on weight gain in humans and animals. Microb Pathog, 53(2), 100–108. (Link zur Studie) [2] Pontes et al. (2021). Effects of probiotics on body adiposity and cardiovascular risk markers in individuals with overweight and obesity: A systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Clin Nutr, 40(8), 4915–4931. (Link zu Studie) [3] Shirkoohi et al. (2025). The effects of probiotic supplementation on body composition, recovery following exercise-induced muscle damage, and exercise performance: A systematic review and meta-analysis of clinical trials. Physiol Rep, 13(8), e70288. (Link zu Studie) [4] Fahim et al. (2025). Gut microbiome-based interventions for the management of obesity in children and adolescents aged up to 19 years. Cochrane Database Syst Rev, 7(7), Cd015875. (Link zu Studie) [5] Lele et al. (2025). Probiotic Lactobacillus sp. as a strategy for modulation of non-comorbid obesity: A systematic meta-analysis and GRADE assessment of randomized controlled trials. Narra J, 5(2), e1562. (Link zu Studie) [6] Li et al. (2024). The Role of Lactobacillus plantarum in Reducing Obesity and Inflammation: A Meta-Analysis. Int J Mol Sci, 25(14). (Link zu Studie) [7] Pagliai et al. (2023). Effects of the probiotic Lactiplantibacillus plantarum IMC 510® on body composition, biochemical parameters, gut microbiota composition and function, and clinical symptoms of overweight/obese subjects. Front Nutr, 10, 1142527. (Link zu Studie) [8] Pedret et al. (2019). Effects of daily consumption of the probiotic Bifidobacterium animalis subsp. lactis CECT 8145 on anthropometric adiposity biomarkers in abdominally obese subjects: a randomized controlled trial. Int J Obes (Lond), 43(9), 1863–1868. (Link zu Studie) [9] Kadooka et al. (2013). Effect of Lactobacillus gasseri SBT2055 in fermented milk on abdominal adiposity in adults in a randomised controlled trial. Br J Nutr, 110(9), 1696–1703. (Link zu Studie) [10] Brix. (2025). Konsensuspapier der Österreichischen Adipositasgesellschaft (ÖAG). Wiener klinische Wochenschrift, 137(5), 167–217. (Link zum Konsensuspapier) [11] Jensen et al. (2014). 2013 AHA/ACC/TOS Guideline for the Management of Overweight and Obesity in Adults. Circulation, 129(25_suppl_2), S102–S138. (Link zur Guideline) [12] Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). (2022). Was sagt der Body-Mass-Index über die Gesundheit aus? Abgerufen am 02.03.2026 unter gesundheitsinformation.de [13] Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). (2022). Programme und Medikamente zum Abnehmen. Abgerufen am 02.03.2026 unter gesundheitsinformation.de [14] Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 des Europäischen Parlaments und des Rates über nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben über Lebensmittel, (2006). Abgerufen am 04.03.2026 unter eur-lex.europa.eu [15] Europäische Kommission. (2026). Food and Feed Information Portal Database. Abgerufen am 05.03.2026 unter ec.europa.eu [16] Hill et al. (2014). Expert consensus document. The International Scientific Association for Probiotics and Prebiotics consensus statement on the scope and appropriate use of the term probiotic. Nat Rev Gastroenterol Hepatol, 11(8), 506–514. (Link zu Studie) [17] Cochrane Deutschland. (2025). „Abnehmspritzen“ helfen beim Gewichtsverlust, aber unabhängige Studien fehlen. Abgerufen am 09.03.2026 unter cochrane.de Versionsgeschichte 12.3.2026: Update des Faktenchecks. Unsere Einschätzung ändert sich von „wirkt möglicherweise nicht“ auf „wirkt wahrscheinlich nicht“. Aufgrund der bisherigen Studien können wir uns in unserer Einschätzung etwas sicherer sein. Der Text wurde zudem vollständig überarbeitet. 2.10.2018: Erstveröffentlichung des Faktenchecks Schlagworte AbnehmenBifidobakterienBMIFettleibigkeitGewichtGewichtsabnahmeLactobacillusNahrungsergänzungNahrungsergänzungsmittelProbiotikaProbiotikumÜbergewicht In über 600 Faktenchecks suchen Suchbegriff eingeben: Suchen