Startseite ● Stärkeres Immunsystem durch Pilz Hericium? Bisher nicht untersucht Stärkeres Immunsystem durch Pilz Hericium? Bisher nicht untersucht Der Pilz Hericium (Löwenmähne) wird oft zur Stärkung des Immunsystems beworben. Doch ob er wirklich vor Infekten schützt, wurde beim Menschen noch nie untersucht. 27. August 2026 AutorIn: Teresa König Review: Bernd Kerschner Jana Meixner Teilen Teilen × Wähle einen Dienst. Es werden keine Social-Plugins geladen. WhatsApp Bluesky Facebook LinkedIn Link kopieren Beugt die Einnahme des Pilzes Hericium (Löwenmähne) Infekten vor? wissenschaftliche Belege fehlen Obwohl der Pilz Hericium oft als „Immun-Booster“ beworben wird, gibt es bisher keine wissenschaftlichen Belege für diese Behauptung. Aussagekräftige Studien am Menschen fehlen völlig. Deshalb ist so eine Werbung rechtlich nicht erlaubt. Als Speisepilz ist Hericium unbedenklich. Ob das auch für hochkonzentrierte Nahrungsergänzungsmittel gilt, ist unklar. so arbeiten wir Löwenmähne für ein starkes Immunsystem? Keine Belege ©iStock – Evgeniy Andreev Der Pilz Hericium erinnert an eine Löwenmähne und ist in Asien ein bekannter Speisepilz. Er soll jedoch nicht nur als Lebensmittel geeignet sein. Auch als sogenannter Vitalpilz oder Heilpilz wird er beworben. Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln mit Hericium werben mit einer angeblichen „Stärkung des Immunsystems“. Wir haben nach Studien gesucht, um herauszufinden, ob es Belege für diese Aussage gibt. Keine Studie mit Menschen Was wir herausgefunden haben: Es gibt keine einzige aussagekräftige Studie, in der untersucht wurde, ob Menschen tatsächlich seltener krank werden, wenn sie Hericium einnehmen. Es gibt für diese Werbeaussage also keine Belege. Zwar gibt es Experimente im Labor mit Zellen oder Versuchstieren. Dabei zeigte sich, dass bestimmte Inhaltsstoffe des Pilzes (wie Polysaccharide) Immunzellen stimulieren können. Aber: Ein Mensch ist kein Reagenzglas und auch keine Maus. Stoffe wirken im komplizierten menschlichen Körper oft ganz anders als im Labor. Solche Labor-Ergebnisse sind zwar interessante Hinweise für die Forschung, beweisen aber keine Wirkung im Menschen. Speisepilz mit Tradition – Nahrungsergänzungsmittel mit Fragezeichen In Ländern wie China, Indien, Japan und Korea wird Hericium seit Jahrhunderten als Speisepilz geschätzt [Quelle 1]. Dass man ihn essen kann, spricht für eine gute Verträglichkeit. Ob aber hochkonzentrierte Präparate als Nahrungsergänzungsmittel sicher sind, ist unklar. Verbotene Werbung In der Europäischen Union ist die Rechtslage klar: Gesundheitsversprechen wie „stärkt das Immunsystem“ dürfen nur verwendet werden, wenn sie wissenschaftlich belegt sind. Für Hericium gibt es keine solche Belege. Hersteller, die trotzdem damit werben, tun dies verbotenerweise [Quelle 2]. Schutz vor Infekten: Wofür gibt es Belege, wofür nicht? Viele Klassiker aus der Hausapotheke, die vor Erkältungen schützen oder ihre Dauer verkürzen sollen, halten einer wissenschaftlichen Prüfung nicht stand. Wir haben einige in Faktenchecks überprüft, die alle auf unserer Themenseite Immunsystem nachzulesen sind. Im Allgemeinen gilt jedenfalls: Um sich vor Infekten zu schützen, ist es vor allem wichtig, sich die Hände mit Seife zu waschen oder Abstand zu kranken Personen zu halten. Vor einigen Infektionskrankheiten kann man sich auch mit Impfungen schützen, die das Immunsystem gezielt auf bestimmte Erreger trainieren. Die Studien im Detail Nach welchen Studien haben wir gesucht? Wir haben in zwei wissenschaftlichen Datenbanken nach hochwertigen Studien gesucht – nach sogenannten randomisiert-kontrollierten Studien. Unser Ziel war es, Studien zu finden, bei denen gesunde Menschen Hericium-Präparate einnahmen und mit einer Gruppe (Kontrollgruppe) verglichen wurden, die nur ein Scheinmittel (Placebo) erhielt. In den Studien sollte gemessen werden, wie oft Menschen über einen längeren Zeitraum erkrankten und wie lange sie krank waren. In randomisiert-kontrollierten Studien ist wichtig, dass die Teilnehmenden per Zufall auf die beiden Gruppen aufgeteilt werden und auch niemand weiß, wer das Hericium-Präparat einnimmt und wer das Placebo. Das nennen Fachleute Verblindung. Und diese soll verhindern, dass der Placebo-Effekt die Ergebnisse verzerrt. Wie aussagekräftig sind die Studien? Da wir aber keine einzige solche Studie finden konnten, lässt sich keine Aussage über die Wirksamkeit von Hericium treffen. Es gibt jedenfalls keine Belege, die ein Werbeversprechen wie „stärkt das Immunsystem“ erlauben würden. Wissenschaftliche Quellen [1] Tan et al. (2024). The ethnopharmacology, phytochemistry and pharmacology of the genus Hericium. J Ethnopharmacol, 319(Pt 3), 117353. (Link zur Studie) [2] Europäische Kommission. (2026). Food and Feed Information Portal Database. Abgerufen am 24.06.2026 unter ec.europa.eu Versionsgeschichte 27.8.2026: Erstveröffentlichung des Faktenchecks Schlagworte HeilpilzHericiumImmunsystemInfekteLöwenmähnePilzVitalpilz In über 600 Faktenchecks suchen Suchbegriff eingeben: Suchen