Abnehmen mit Protein funktioniert wahrscheinlich nicht

Hier liegen viele Influencerinnen und Fitness-Gurus falsch: Bisherigen Studien zufolge hilft die Extraportion Protein wahrscheinlich nicht beim Abnehmen.

AutorIn:
Review:  Jana Meixner 

Hilft ein hoher Protein-Anteil in der Diät beim Abnehmen?

Bisherigen Studien zufolge macht es wahrscheinlich keinen Unterschied beim Abnehmen, ob man sich proteinreich oder proteinarm ernährt.

so arbeiten wir
Proteinpulver Proteinpulver sollen angeblich beim Abnehmen helfen
© Tatiana – iStock.com

Proteinpulver im Frühstücksmüsli, mittags ein Proteinshake, und als Zwischendurch-Snack ein Proteinriegel. Um erfolgreich abzunehmen, sei es wichtig, den Protein-Anteil der Nahrung zu erhöhen. Das lassen uns zumindest Fitness-Influencerinnen und Ernährungs-Gurus glauben.

Ihnen zufolge soll der hohe Proteinanteil die Hauptschwierigkeiten beim Abnehmen bekämpfen: Hunger und Appetit. Denn Proteine sollen angeblich länger satt halten als Kohlenhydrate oder Fett. Ob das wirklich der Fall ist, ist jedoch alles andere als gesichert – die Studienlage dazu ist schwach und widersprüchlich [Quelle 1].

Für die Gesundheit macht Abnehmen auf jeden Fall Sinn: Denn je größer das Übergewicht, umso höher das Gesundheitsrisiko – etwa die Wahrscheinlichkeit, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu bekommen. Auch das Risiko für Krebs, Diabetes und Gelenksabnutzung ist erhöht. Um das Gesundheitsrisiko zu senken, muss man aber mindestens 5 bis 10 Prozent seines Gewichts verlieren – und das innerhalb eines Jahres [Quellen 2-4]. Bei einer 100 Kilo schweren Person wären das 5 bis 10 Kilo.

Wir wollten wissen, ob das mit einem Mehr an Protein gelingt. Dazu haben wir versucht, möglichst alle bisher dazu durchgeführten Studien zu berücksichtigen.

Wahrscheinlich wirkungslos

Einer Zusammenfassung der aktuellen Forschungslage zufolge [Quelle 5] haben bisher rund 4000 Menschen im Rahmen von Studien ausprobiert, ob eine solche proteinreiche Diät beim Abnehmen helfen kann: Die Hälfte von ihnen ernährte sich proteinreich, die andere Hälfte proteinarm.

Ein halbes bis eineinhalb Jahre später zeigte der Vergleich: Ein erhöhter Proteinanteil schien beim Abnehmen keinen Vorteil zu bringen. In beiden Gruppen haben die Teilnehmenden vergleichbar viel abgenommen.

Ganz abgesichert ist das Ergebnis jedoch nicht. So will eine andere Studienzusammenfassung [Quelle 6] nicht ausschließen, dass eine proteinreiche Diät einen kleinen Vorteil haben könnte. Der läge jedoch bei etwa einem Viertel Kilo. Um der Gesundheit etwas Gutes zu tun, ist das viel zu wenig.

Nicht untersucht haben die Studien, ob die proteinreiche Diät einen Nachteil für die Gesundheit haben könnte. Bei der Verdauung von großen Mengen Protein entsteht vermehrt Harnstoff, der unter Umständen die Nieren belastet. Für Menschen mit Nierenproblemen können große Mengen an Protein die Nierengesundheit zusätzlich verschlechtern [Quelle 7].

Was hilft beim Abnehmen?

Empfehlungen zum Abnehmen gibt es wie Sand am Meer. Doch häufig ist der Erfolg fraglich, denn viele dieser Methoden sind nicht wissenschaftlich abgesichert. Wir haben schon einige dieser Versprechungen in Faktenchecks unter die Lupe genommen.

Um mindestens 5 bis 10 Kilo abzunehmen und so die Gesundheit zu verbessern, empfehlen Fachleute eine Kombination aus Bewegung und einer Ernährungsumstellung. Die unabhängige Plattform Gesundheitsinformation.de beschreibt auf ihrer Webseite, welche Methoden beim Abnehmen wissenschaftlich belegt sind.

Wie viel Protein brauchen wir?

Pro Kilogramm Körpergewicht und Tag benötigen wir mindestens 0,5 bis 0,6 Gramm Protein [Quelle 8]. Die deutschen und österreichischen Gesellschaften für Ernährung empfehlen mehr: Erwachsene sollten demnach 0,8 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht essen, Ältere, Schwangere und Stillende noch mehr [Quelle 9]. Für eine Person mit 70 Kilogramm Körpergewicht sind das 56 Gramm Protein am Tag. Das entspricht etwa 11 Prozent der täglich benötigten Kalorienmenge, und ist beispielsweise in 200 Gramm Käse, 5 bis 6 Eiern, oder 280 Gramm magerem Fleisch oder Fisch enthalten – beziehungsweise in 670 Gramm Tofu oder 1 Kilo gekochten Hülsenfrüchten.[Quelle 10].

In den Studien wurde eine Diät als proteinreich eingestuft, wenn 20 oder 30 Prozent der verzehrten Kalorien aus Proteinen stammten [Quellen 5,6].

Die Studien im Detail

Nach welchen Studien haben wir gesucht?

Ob ein Mehr an Protein beim Abnehmen hilft, lässt sich am aussagekräftigsten in einer randomisiert-kontrollierten Studie untersuchen. Menschen, die übergewichtig sind und gerne im Rahmen einer solchen Studie abnehmen möchten, lassen sich dabei nach dem Zufallsprinzip (randomisiert) einer von zwei Gruppen zulosen: Die eine Gruppe hält eine Diät mit hohem Proteinanteil ein, die andere Gruppe hält sich zum Vergleich an eine Diät mit normalem oder niedrigem Proteinanteil – sie ist die Kontrollgruppe.

Idealerweise wissen weder die Teilnehmenden noch das Forschungsteam, wer viel und wer wenig Protein zu sich nimmt. Mit dieser sogenannten „Verblindung“ lässt sich ausschließen, dass bereits die Erwartung die Teilnehmenden stärker zum Abnehmen motiviert als in der Kontrollgruppe.

Am Ende wird verglichen: Haben die Teilnehmenden mit der proteinreichen Diät mehr abgenommen als jene mit der proteinärmeren? Nur ein deutlicher Unterschied wäre ein Beleg dafür, dass Proteine beim Abnehmen helfen.

Wir haben wissenschaftliche Studiendatenbanken nach Ergebnissen aller bisher dazu durchgeführten randomisiert-kontrollierten Studien durchsucht.

Wie aussagekräftig sind die Studien?

Gefunden haben wir zwei Übersichtsarbeiten, die versucht haben, alle bisher durchgeführten Studien möglichst objektiv zusammenzufassen.

Einer der beiden Übersichtsarbeiten [Quelle 5] ist das auch gut gelungen. Sie hat die Daten aus den einzelnen Studien nach folgendem Schema analysiert: Bei der proteinreichen Diät stammten mehr als 30 Prozent der Kalorien aus Protein, bei der proteinreduzierten Diät lag der Proteinanteil unter 30 Prozent. Selbst nachdem das Forschungsteam hinter der Übersichtsarbeit nur die aussagekräftigsten Studienergebnisse zusammenfasste, zeigte sich kein Unterschied zwischen den beiden Gruppen. Egal ob mit viel oder wenig Protein – in beiden Gruppen nahmen die Teilnehmenden ähnlich viel ab.

Zu diesem Ergebnis kommt die zweite Übersichtsarbeit [Quelle 6]. Bei ihrer Analyse ergab sich ein kleiner Vorteil für die proteinreiche Diät. Im Durchschnitt lag der aber nur bei einem Viertel Kilo. Das ist weit weg von jenen 5 bis 10 Prozent Gewichtsreduktion, der zu einer Besserung der Gesundheit führen würde.

In dieser Arbeit wurden die Studiendaten außerdem ein wenig anders analysiert. Stammten 20 Prozent der Kalorienmenge aus Protein, wurde das bereits als proteinreiche Diät definiert – im Unterschied zur Grenze von 30 Prozent bei der ersten Analyse [Quelle 5].

Die Analyse hat allerdings weniger Aussagekraft als die erste. Das Autorenteam hat nämlich nicht überprüft, ob eine Analyse nur der aussagekräftigsten Einzelstudien zu einem anderen Ergebnis führen würde. Nicht analysiert wurde auch, ob Studien von kürzer Dauer vielleicht anders abschneiden als solche von längerer Dauer.

[1] de Carvalho et al. (2020) Dietary protein and appetite sensations in individuals with overweight and obesity: a systematic review. European journal of nutrition, 59(6), 2317–2332. (Zusammenfassung der Übersichtsarbeit)

[2] Jensen et al. (2014) 2013 AHA/ACC/TOS Guideline for the Management of Overweight and Obesity in Adults. Circulation, 129(25_suppl_2). (Studie in voller Länge)

[3] IQWIG (2022) Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen. Starkes Übergewicht (Adipositas). Abgerufen am 10. 3. 2026 unter gesundheitsinformation.de

[4] Brix. (2025) Konsensuspapier der Österreichischen Adipositasgesellschaft (ÖAG). Wiener klinische Wochenschrift, 137(5), 167–217. (Arbeit in voller Länge)

[5] Lou et al (2025) Comparison with Dietary Groups of Various Macronutrient Ratios on Body Weight and Cardiovascular Risk Factors in Adults: A Systematic Review and Network Meta-Analysis. Nutrients, 17(16), 2683. (Übersichtsarbeit in voller Länge)

[6] Yao et al. (2025) Impact of other macronutrient composition within high-protein diet on body composition and cardiometabolic health: a systematic review, pairwise, and network meta-analysis of randomized controlled trials. International journal of obesity (2005), 49(8), 1480–1489. (Zusammenfassung der Übersichtsarbeit)

[7] UpToDate (2026) Dietary recommendations for patients with nondialysis chronic kidney disease. Abgerufen am 11.3.2026 unter uptodate.com (Zugang kostenpflichtig)

[8] UpToDate (2026) Healthy diet in adults. Abgerufen am 11.3.2026 unter uptodate.com

[9] Gesundheit.gv.at (2025) Protein. Abgerufen am 11.3.2026 unter gesundheitsinformation.de

[10] Österreichische Gesundheitskasse. Eiweiß in Lebensmitteln. Abgerufen am 11.3.2026 unter gesundheitskasse.at

  • 12.3.2026: Erstveröffentlichung des Faktenchecks

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