Die meisten Frauen bekommen um das 50. Lebensjahr das letzte Mal ihre Regelblutung. Ursache dafür sind Veränderungen, die schon einige Jahre früher starten: Ab etwa Mitte 40 produziert der Körper weniger weibliche Geschlechtshormone. Das führt schließlich zum Ende der Fruchtbarkeit.
Während dieses Lebensabschnitts rund um die letzte Regelblutung („Wechseljahre“) kommt es bei einigen Frauen zu mehr oder weniger starken Beschwerden. Am häufigsten sind Hitzewallungen und Schweißausbrüche. Auch Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen, Gewichtszunahme und Scheidentrockenheit sind typisch [6].
Hormontherapie gegen Belastung
Die Beschwerden können das Leben durchaus beeinträchtigen und einschränken. Verständlich, wenn die Betroffenen nicht nur geduldig abwarten wollen, bis sich die Beschwerden von selbst geben. Eine Möglichkeit ist die Hormontherapie mit künstlichen weiblichen Hormonen [4, 7, 12,14].
Darüber hinaus wird den Hormonmedikamenten eine vorbeugende Wirkung zugeschrieben – sie sollen beispielsweise vor Osteoporose und Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen. [2,8].
Verunsicherung und Trendwende
Doch die Einnahme von weiblichen Geschlechtshormonen gegen Wechselbeschwerden und als vorbeugende Maßnahme gegen häufige Krankheiten hat viele Kritikerinnen und Kritiker. Ein Grund dafür: Um das Jahr 2000 zeigten große Studien, dass die weit verbreitete Therapie beträchtliche Risiken mit sich bringt. Sie kann beispielsweise Schlaganfall, Herzinfarkt und Brustkrebs begünstigen.
Mit diesen Erkenntnissen machte sich Verunsicherung breit; das Thema wurde (und wird) in der Öffentlichkeit und in der Wissenschaft diskutiert. Heute verschreiben Ärztinnen und Ärzte Hormone gegen Wechseljahrsbeschwerden zurückhaltender als etwa in den 1990er Jahren.
„Hormonersatztherapie“ veraltet
Im Zuge der Kontroverse wurde auch der Begriff „Hormonersatztherapie“ in Frage gestellt. Zwar ist „Hormonersatztherapie“ nach wie vor gebräuchlich, aber nicht ganz richtig. Denn „Hormonersatztherapie“ impliziert, dass Frauen während und nach den Wechseljahren in einem unnatürlichen Mangelzustand leben, der mit Ersatzhormonen ausgeglichen werden muss.
Wie ist der Stand der Dinge heute, einige Jahre nach der ersten Welle herber Kritik? Stellt die Hormontherapie noch immer ein gesundheitliches Risiko dar? Oder sind die Risiken vertretbar? Ein wichtiges Thema, denn in Österreich nehmen einer Umfrage [15] zufolge elf Prozent der erwachsenen Frauen bis 65 Hormone gegen Wechseljahresbeschwerden ein. Und: Was ist aktuell über die mutmaßliche vorbeugende Wirkung bekannt?
Wie sicher sind die Medikamente?
Kurze und einfache Antworten gibt es leider nicht. Einerseits erleben Frauen die Wechseljahre und die eventuell damit verbundenen Beschwerden unterschiedlich. Andererseits werden Hormonmedikamente in unterschiedlichen Kombinationen und Dosierungen angeboten.
Zudem steigt schon allein durch das zunehmende Alter der Frauen das Risiko für etliche Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen [1,2]. Es ist daher nicht ganz einfach die Wirksamkeit und Sicherheit der verschiedenen Hormontherapien zu beurteilen.
Risikoliste
Nichtsdestotrotz gibt es gut gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse: Dass die Einnahme von Hormonen Wechselbeschwerden lindern kann, ist gut dokumentiert [1, 2, 4, 9, 12]. Allerdings ist auch belegt, dass mit der Dauer der Hormontherapie das Risiko für verschiedene schwerwiegende Erkrankungen steigt [1,2], zum Beispiel Schlaganfall, Herzinfarkt und Brustkrebs.
Außerdem auf der Risikoliste: Harninkontinenz, Gallenblasenleiden, Venenthrombose und unter Umständen auch Demenz. Deswegen sollten vor allem Frauen, die Hormone einnehmen, unbedingt über mögliche gravierende Nachteile informiert sein – insbesondere, wenn die Einnahme über einen längeren Zeitraum erfolgt.
Nichtdestotrotz sollte die Hormontherapie nicht verteufelt werden. Sie hilft normalerweise gut gegen starke Wechselbeschwerden, sodass in diesem Fall der Nutzen wahrscheinlich größer ist als die Schäden. Das Risiko steigt durchaus, aber diese Steigerung ist insgesamt nicht sehr stark. Zur Veranschaulichung: Im Vergleich zu keiner Behandlung sind es pro Jahr elf von 10.000 Frauen zusätzlich, bei denen Blutgerinnseln in den Venen auftreten.
Zur alleinigen Vorbeugung nicht geeignet
Positiv ist auch, dass Frauen durch die Hormontherapie weniger Knochenbrüche erleiden. Außerdem dürfte ihr Diabetes- und Dickdarmkrebs-Risiko geringer sein [1,2]. Das klingt erfreulich; doch es adelt die Hormontherapie an sich keineswegs zu einer geeigneten Präventionsmaßnahme. Diese möglichen Vorteile wiegen im Vergleich mit den Risiken nicht schwer genug, um Hormone allein zur Vorbeugung bestimmter Erkrankungen einnehmen.
Östrogen alleine kaum besser
Nicht ganz so drastisch dürfte das Risiko für Nebenwirkungen sein, wenn frau nur Östrogen, aber kein Gestagen zu sich nimmt. Offenbar sinkt das Risiko für Brustkrebs oder Herzerkrankungen durch die alleinige Gabe von Östrogen sogar etwas [1, 2].
Abgesehen davon haben Frauen bei einer Östrogen-Hormontherapie ebenso wie Frauen mit Kombi-Medikamenten ein höheres Schlaganfall-Risiko, und auch sonst ist das Nebenwirkungsprofil ähnlich.
Allerdings kommt diese Variante nur für Frauen infrage, die nach einer Operation keine Gebärmutter mehr haben. Denn Östrogen alleine kann das Wachstum der Gebärmutterschleimhaut stark anregen und so zu Gebärmutterkrebs führen [1, 5, 10].
Mehr Schutz durch Frühstart?
Immer wieder tauchen Meldungen auf dass Hormonmedikamente mehr nützen und weniger schaden, wenn die Therapie bereits vor oder unmittelbar nach der letzten Regelblutung startet. Ob Frauen, die in diesem Zeitfenster eine Hormonbehandlung beginnen, tatsächlich besser vor manchen Erkrankungen geschützt sind, ist aber bis heute nicht gut erforscht und nicht klar [2].
Gemeinsam Für und Wider abwägen
Bleibt die Frage: Was soll frau tun, wenn sie Hitzewallungen und Co teilweise jahrelang quälen und Hormonmedikamente eine deutliche Besserung bewirken können? Am besten ist für die Entscheidung gemeinsam mit der Ärztin und dem Arzt das Für und Wider zu diskutieren, die möglichen positiven und negativen Effekte gegeneinander aufzuwiegen.
Beispielsweise ist bei Frauen, die rauchen und bei solchen mit Übergewicht oder Gerinnungsstörungen das Risiko für ein Blutgerinnsel (Thrombose) ohnehin schon erhöht. Eine Hormontherapie kann die Gefahr weiter verstärken. Vorsicht ist auch geboten, wenn bei Frauen bestimmte Krebserkrankungen innerhalb der Familie vorkommen [7, 13].
Auf der Suche nach Alternativen
Wenn keine Hormontherapie in Frage kommt, können beispielsweise Bewegung, leichte Kleidung oder kalte Getränke hilfreich sein. In manchen Fällen kann auch ein Antidepressivum unterstützen [7].
Und was bewirken pflanzliche Mittel? Obwohl manche Frauen nach der Einnahme pflanzlicher Mittel über eine Besserung ihrer Symptome berichten, ist dies nicht wissenschaftlich belegt [7, 13]. Daher können wir nicht sagen, ob die häufig angepriesenen pflanzlichen Hormone (Phytoöstrogene), die in Sojaprodukten vorkommen, Wechselbeschwerden tatsächlich lindern können. Über dieses Thema haben wir bereits berichtet.