Startseite ● Wasserfall-Therapie bei Asthma: Wirkung fraglich Wasserfall-Therapie bei Asthma: Wirkung fraglich Der Sprühnebel von Wasserfällen wird als heilsam bei Asthma beworben – etwa im Fall der Krimmler Wasserfälle in Salzburg. Ohne Belege, wie unsere Recherche ergab. 22. Januar 2026 AutorIn: Bernd Kerschner Review: Jana Meixner Teilen Kann der Aufenthalt an einem Wasserfall Asthma anhaltend bessern? wissenschaftliche Belege fehlen Die einzige Studie dazu kann diese Behauptung nicht belegen – denn die Ergebnisse sind unvollständig und widersprüchlich. so arbeiten wir Die Krimmler Wasserfälle in Salzburg wurden in einer Asthma-Studie untersucht. © mRGB – shutterstock.com Die Luft rund um Wasserfälle ist voll von winzigen Wassertröpfen – die hübschen Regenbogen, die oft zu sehen sind, zeugen davon. Dass die Luft bei Wasserfällen oft als angenehm und frisch empfunden wird, führte zu der Vermutung, Menschen mit Asthma könnten davon profitieren. Neben der Luftfeuchtigkeit soll ein Grund für die angeblich heilsame Wirkung auch die hohe Konzentration an negativen Ionen im Sprühnebel der Wasserfälle sein. Diese elektrisch geladenen Teilchen sollen Entzündungen in der Lunge lindern und die Asthmabeschwerden verringern. Die Wasserfall-Therapie war geboren. In Österreich werben Tourismusregionen damit, etwa die Krimmler Wasserfälle in Salzburg, und Wasserfallkuren für Menschen mit Asthma werden als heilsam beworben. Wissenschaftlich bestätigt? Wir haben uns auf die Suche nach seriösen Studien gemacht. Werbung ohne Wirkung? Bei unserer Recherche konnten wir nur eine einzige Studie [Quelle 1] finden. Im Rahmen dieser Studie verbrachten 54 Kinder mit allergischem Asthma drei Wochen in der Höhenluft der Salzburger Berge. Die Hälfte der Kinder hielt sich zusätzlich eine Stunde täglich in unmittelbarer Nähe der Krimmler Wasserfälle auf. Am Ende der Studie wurden die Kinder mittels Fragebogen zu ihren Asthmabeschwerden befragt. Auf den ersten Blick scheint der Vergleich beider Gruppen vielversprechend: Die Wasserfälle scheinen die Asthma-Beschwerden etwas gelindert zu haben. Der Studie vertrauen wir allerdings ganz und gar nicht. Fragwürdig: Verschwundene Kinder… Bei der Auswertung fehlen nämlich die Ergebnisse von zahlreichen Kindern. Ob sich ihre Beschwerden nach der Wasserfall-Therapie verbessert hat, wurde bei mehr als der Hälfte der Kinder gar nicht mittels objektiven Atemmessungen erhoben. Auch von den ausgefüllten Fragebögen wurde ein Viertel aus unterschiedlichen Gründen nicht berücksichtigt. …und der Placebo-Effekt. Bei den restlichen Kindern zeigt der Vergleich zwei bis drei Monate später widersprüchliche Ergebnisse: Die Wasserfallkinder gaben bei der Befragung zwar an, besser atmen zu können als die Vergleichs-Kinder. Doch in den objektiven Atemmessungen war dieser vermeintliche Unterschied nicht zu sehen. Könnte also der Placebo-Effekt die positiven Ergebnisse nur vorgegaukelt haben? Wussten die Kinder, dass ihnen die Wasserfälle helfen sollten und gaben deswegen positive Antworten? Denkbar wäre es. Um den Placebo-Effekt auszuschließen, dürfte die Wasserfallgruppe nicht wissen, dass sie behandelt wird, die Studie müsste also „verblindet“ stattfinden. Das ist in diesem Fall schwer möglich, schließlich wissen die Kinder ja, ob sie beim Wasserfall sind, oder nicht. Fazit: Belege für eine Wirksamkeit von Wasserfällen bei Asthma gibt es nicht. Die einzige Studie liefert keinerlei brauchbare Antworten. Warum die Luft wegbleibt Grund für die Beschwerden bei Asthma sind ständig entzündete Atemwege. Diese reagieren überempfindlich auf Reize, die für Gesunde harmlos sind. Oft sind auch Allergien im Spiel [Quellen 2-4]. So können Tierhaare oder Pollen eine plötzliche Verengung der Atemwege auslösen. Auch eine Erkältung oder ein Sprint in kalter Luft kann einen Anfall auslösen [Quelle 4]. Mit Asthma leben Medikamente, moderater Sport und bestimmte Atemtechniken können Betroffenen helfen, die Beschwerden in Schach zu halten. So ist meist ein normaler Alltag möglich. Zusätzlich hilft es, bekannte Asthma-Auslöser so gut wie möglich zu vermeiden [Quellen 2,3]. Weitere verlässliche Informationen rund um das Thema „Asthma“ finden sich auf Gesundheitsinformation.de und im Öffentlichen Gesundheitsportal Gesundheit.gv.at. Die Studien im Detail Nach welchen Studien haben wir gesucht? Ob eine Wasserfall-Therapie bei Asthma helfen kann, lässt sich am aussagekräftigsten in einer sogenannte randomisiert-kontrollierten Studie untersuchen. Dabei wird eine große Anzahl an Kindern oder Erwachsenen mit Asthma nach dem Zufallsprinzip („randomisiert“) einer von zwei Gruppen zugelost: eine Gruppe verbringt täglich Zeit neben einem Wasserfall. Die andere Gruppe ist die Kontroll-Gruppe: sie verbringt gleich viel Zeit in einer ähnlichen Umgebung, aber nicht in der Nähe des Wasserfalls – also ohne dem Sprühnebel ausgesetzt zu sein. Einige Wochen später wird verglichen: Haben sich die Beschwerden in der Wasserfallgruppe stärker gebessert als bei der Kontrollgruppe ohne Wasserfall? Nur das wäre ein Hinweis darauf, dass Wasserfälle eine heilsame Wirkung haben. Wir haben die Forschungsdatenbanken Pubmed und Cochrane Library nach solchen Studien durchsucht. Gefunden haben wir nur eine einzige solche Studie [Quelle 1], die wir weiter oben schon beschrieben haben. Wie aussagekräftig ist die Studie? Die Ergebnisse dieser Studie sind jedoch kaum aussagekräftig, , denn für die Auswertung wurden die Daten vieler Kinder nicht berücksichtigt: Fragebogen zu Asthma-Beschwerden: von 14 der 54 Kindern fehlen Ergebnisse Atemmessungen: von 32 der 54 Kinder fehlen Messergebnisse Die Ergebnisse der restlichen Kinder sind widersprüchlich: Unmittelbar nach der dreiwöchigen Wasserfall-Therapie waren die Fragebogenergebnisse zu den Asthmabeschwerden nicht besser als die der Kontrollgruppe. Bei einer der beiden Atemmessungen schnitt die Wasserfallgruppe besser ab, bei der anderen gab es keinen Unterschied. Zwei bis drei Monate später zeigte sich kein Unterschied mehr bei den Atemmessungen. Im Fragebogen gaben die Kinder der Wasserfallgruppe jedoch an, weniger Beschwerden zu haben. Es lässt sich daher nicht sagen, ob die Wasserfall-Therapie geholfen hat oder nicht. Ein weiteres Problem für die Aussagekraft der Studie ist, dass sowohl Kinder, Eltern als auch das Forschungsteam wussten, wer an der Wasserfall-Therapie teilnahm und wer nicht. Die dadurch entstandenen Erwartungen können dafür sorgen, dass die Kinder sich besser fühlen. Das wird auch Placeboeffekt genannt: Selbst bei einer eigentlich wirkungslosen Behandlung können sich Beschwerden alleine durch die Erwartung bessern. Wissenschaftliche Quellen [1] Gaisberger et al. (2012) Effects of ionized waterfall aerosol on pediatric allergic asthma. The Journal of asthma : official journal of the Association for the Care of Asthma, 49(8), 830–838. (Studie in voller Länge) [2] IQWIG (2022) Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen. Asthma. Abgerufen am 19.1.2026 unter gesundheitsinformation.de [3] UpToDate (2025) An overview of asthma management in children and adults. Abgerufen am 20.1.2026 unter uptodate.com [4] UpToDate (2025) Trigger control to enhance asthma management. Abgerufen am 20.1.2026 unter uptodate.com Versionsgeschichte 17. Oktober 2018: erste Version des Faktenchecks 22. Jänner 2026: bei einer Aktualisierungs-Recherche fanden wir keine neueren Studien. Wir haben die Formulierung des Texts überarbeitet, unsere Einschätzung hat sich aber nicht geändert. Schlagworte AsthmaAtemwegserkrankungenKrimmler WasserfälleLuftionenWasserWasserfallWasserfälle In über 600 Faktenchecks suchen Suchbegriff eingeben: Suchen