Fakt ist: Wer in jungen Jahren häufig Sonnenbrände bekommt, hat im späteren Leben ein erhöhtes Risiko für Hautkrebs [7]. Fakt ist auch: Sonnencreme verhindert Sonnenbrand [8,9].
Schlussfolgerung: Demnach müsste Sonnencreme auch das Risiko für Hautkrebs verringern. Doch das lässt sich aus vielen Gründen nicht so einfach nachweisen.
Die zusammengefassten Ergebnisse bisheriger Studien können nämlich nicht zweifelsfrei zeigen, dass Sonnencreme das Hautkrebs-Risiko verringert [3,4]. Zwar werden schon seit 40 Jahren Untersuchungen zu dieser Frage durchgeführt, doch die sind nur eingeschränkt aussagekräftig und kommen zu widersprüchlichen Ergebnissen.
Wir fanden das durchaus kurios – und haben recherchiert. Vorab schon einmal die beruhigende Nachricht: Nein, Sonnencreme ist keineswegs sinnlos. Doch ihr Nutzen lässt sich im Alltag nicht ganz so leicht nachweisen.
Verringertes Risiko?
Die Studie mit der höchsten Aussagekraft [1,2] wurde in Australien durchgeführt, einem Land, in dem der UV-Anteil der Sonnenstrahlung und damit das Hautkrebsrisiko besonders hoch sind. Per Zufall wurden die 1621 Teilnehmenden einer von zwei Gruppen zugelost: Eine Gruppe sollte täglich Sonnencreme im Gesicht, Nacken sowie auf Unterarmen und Händen verwenden – unabhängig von Aktivitäten und Wetter. In der zweiten Gruppe schmierten sich die Teilnehmenden nur dann ein, wenn und wie sie es selbst für notwendig hielten.
Elf Jahre später hatte sich in der ersten Gruppe seltener eine Hautkrebs-Form namens Plattenepithelkarzinom entwickelt als in der zweiten Gruppe. Ob sich auch die Wahrscheinlichkeit für das häufigere Basalzellkarzinom verringert, ist jedoch unklar. Auch für das gefährlichere Melanom (schwarzer Hautkrebs) ist das nicht sicher – selbst wenn die Daten vorsichtig auf ein geringeres Risiko hindeuten.
Die Aussagekraft dieser Studie ist eingeschränkt. Zwei der Gründe dafür: Es ist unklar, ob sich die Teilnehmenden länger als vier bis fünf Jahre an die Anweisungen gehalten haben. Zudem verwendeten sie Sonnencreme mit einem für Australien relativ niedrigen Sonnenschutzfaktor von 16. Es ist denkbar, dass sich mit höherem Schutzfaktor ein deutlicherer Vorbeuge-Effekt gezeigt hätte.
Erhöhtes Risiko?
Alle anderen Studien waren keine kontrollierten Experimente unter wissenschaftlicher Anleitung. Vielmehr wollten hier Forscherinnen und Forscher herausfinden, was über lange Zeit im echten Leben passiert.
Deswegen bekamen die Teilnehmenden der Beobachtungsstudien [3,4] keine zugelosten Anweisungen, sondern sie wurden lediglich nach ihrer Sonnencreme-Nutzung befragt. Dann prüfte das Forschungsteam, ob die mehr oder weniger intensive Nutzung von Sonnencreme einen Einfluss auf die Zahl der Hautkrebs-Diagnose hatte. Die einzelnen Studienergebnisse sind widersprüchlich und reichen von reduzierter bis zu erhöhter Wahrscheinlichkeit für Hautkrebs.
Wie kann es zu so unterschiedlichen Ergebnissen kommen? Warum zeigen die Arbeiten den Schutzeffekt nicht klar und deutlich?
Dafür gibt es mehrere Erklärungen: Vielleicht haben sich die Teilnehmenden nur gelegentlich eingecremt, wenn sie in der Sonne waren – das wurde nicht erhoben. Unklar ist auch, ob sie die Sonnencreme richtig verwendeten, also eine ausreichende Menge auftrugen, einen angemessen hohen Lichtschutzfaktor verwendeten und alle ausgesetzten Körperstellen eincremten.
Das könnte erklären, warum in einigen der Studien ausgerechnet jene ein erhöhtes Hautkrebs-Risiko haben, die angeben, Sonnencreme anzuwenden: Wir vermuten, dass eben jene Personen besonders häufig an der Sonne sind, die Sonnencreme aber möglicherweise falsch oder zu selten verwenden. Vielleicht wiegen sie sich in falscher Sicherheit und setzen sich zu lange der Sonneneinstrahlung aus.
Sonnencreme verwenden, aber richtig!
Auch wenn die aktuelle Studienlage nicht eindeutig ist: Die Deutsche Krebshilfe, die Deutsche Krebsgesellschaft und die dermatologischen Fachgesellschaften sehen Sonnenschutzmittel aus Tube und Flasche als sinnvolle Ergänzung zu anderen Methoden des Sonnenschutzes an [5]. Den besten Schutz bieten Schatten und Kleidung.
Das deutsche Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen gibt folgende Tipps zum Sonnenschutz [5]:
- im Sommer direkte Sonne während der Mittagszeit meiden,
- Schatten suchen, vor allem während der Mittagszeit,
- sich mit Sonnenschirm, Hut und Kleidung vor der Sonne schützen,
- eine Sonnenbrille mit UV-Schutzgläsern tragen,
- Sonnencreme mit UV-A- und UV-B-Schutz und einem hohen Lichtschutzfaktor verwenden
- auf Solarien und UV-Lampen verzichten
Eincremen ist nicht kompliziert, es erfordert nur etwas Sorgfalt und Konsequenz; zudem unterschätzen viele die Menge an Creme, die aufgetragen werden muss: Es ist mehr, als viele denken. Eine 200-ml-Flasche Sonnencreme reicht bei einem Erwachsenen nur für etwa sechs Ganzkörper-Anwendungen [5].
Wichtig ist, keine Stelle zu vergessen, die der Sonneneinstrahlung ausgesetzt ist. Fachleute empfehlen, sicherheitshalber alle zwei Stunden nachzucremen, auch bei wasserfester Sonnencreme. Aber Achtung: Die maximale Schutzzeit wird dadurch nicht verlängert! Und man sollte sich von der Sonnencreme nicht dazu verführen lassen, wirksamere Sonnenschutzmaßnahmen zu vernachlässigen.
Mehr wissenschaftlich geprüfte Informationen zum richtigen Sonnenschutz finden sich auf der unabhängigen Seite Gesundheitsinformation.de.
Unerwünschte Wirkungen
Auch Sonnenschutz gibt es nicht ganz ohne Nebenwirkungen. Bei etwa 20 von 100 Personen treten unerwünschte Wirkungen auf: gerötete oder entzündete Haut oder allergische Reaktionen. Äußerst selten kommt es zu einer heftigen allergischen Reaktion, bei der sofortige ärztliche Hilfe nötig ist [5].
Schwarzer Hautkrebs immer häufiger
Es gibt verschiedene Formen von Hautkrebs: Melanome (schwarzer Hautkrebs), Basalzellkarzinom und das Plattenepithelkarzinom (beides: weißer Hautkrebs). Melanome sind am gefährlichsten und werden weltweit immer häufiger. Wenn möglich, werden sie operativ entfernt. In Deutschland sind im Jahr 2014 etwa 28 von 100.000 Männern und 25 von 100.000 Frauen daran erkrankt [6].