Ganzkörper-Check-up mit MRT: mehr Schaden als Nutzen?

Ein Ganzkörper-MRT soll Krebs und andere Krankheiten früh entdecken. Doch das Risiko für falsche Ergebnisse ist hoch.

AutorIn:
Review:  Bernd Kerschner 

Eine Magnetresonanztomographie (MRT) des ganzen Körpers wird von Diagnose-Zentren und Privatkliniken beworben und soll Krebs und andere schwere Erkrankungen frühzeitig erkennen. Doch die Ergebnisse sind wenig verlässlich. Die Wahrscheinlichkeit für einen falschen Alarm scheint groß zu sein. Rund 40 von 100 Untersuchten erhalten ein auffälliges Ergebnis, obwohl sie gesund sind. Risikoreiche Folgeuntersuchungen und Beunruhigung sind die Folge. Bei nur 1 bis 2 von 100 untersuchten Menschen scheinen mit dem Ganzkörper-MRT tatsächlich schwere Erkrankungen entdeckt zu werden. Wie viele Erkrankungen bei der Untersuchung übersehen werden, ist unklar, denn Studien dazu fehlen.

so arbeiten wir
Mann im Untersuchungshemd vor einem MRT Gerät Das Ganzkörper-MRT bringt oft nicht die erhoffte Beruhigung.
©iStock -simonkr

Einmal den gesamten Körper scannen, um Krebs und andere lebensbedrohliche Krankheiten frühzeitig zu entdecken: Immer mehr Diagnosezentren bieten das in Form einer Ganzkörper-Magnetresonanztomographie (MRT) an. Mit Namen wie „Ganzkörper-Check-up“ oder Full-Body-Scan wird es als Vorsorgeuntersuchung für Menschen ohne Beschwerden beworben – nach dem Prinzip „einfach mal nachschauen“. Für 1.000 bis 2.000 Euro erhält man ein Bild des (fast) gesamten Körpers, meist vom Kopf bis zur Hüfte. Bezahlen muss man selbst, die Krankenkassen übernehmen die Kosten nicht.

Das Ganzkörper-MRT wird von manchen als mögliche Vorsorge-Untersuchung diskutiert, doch der Großteil der Fachleute spricht sich dagegen aus. Vor allem seine Unschädlichkeit macht das MRT zwar in der Theorie zu einer attraktiven Untersuchungs-Methode: Im Gegensatz zum Röntgen oder der Computertomographie (CT) ist dabei nämlich keine Strahlung im Spiel. Bei Menschen, die aufgrund genetischer Erkrankungen ein stark erhöhtes Krebsrisiko haben, wird es schon länger eingesetzt. Doch wie sinnvoll ist es für gesunde, beschwerdefreie Menschen?

Häufig falscher Alarm

Bisherige Studien [Quellen 1 und 2] zeigen: Wenn sich 100 gesunde, beschwerdefreie Menschen mit einem Ganzkörper-MRT untersuchen lassen, wird bei etwa einem bis zwei dieser Menschen eine ernsthafte Erkrankung entdeckt, die sonst vielleicht nicht oder erst später aufgefallen wäre. Zum Beispiel Krebs im Frühstadium, Nieren- oder Lebererkrankungen oder ein erweitertes Blutgefäß (Aneurysma), das vielleicht irgendwann geplatzt wäre und eine gefährliche Blutung ausgelöst hätte. Vielleicht. Sicher weiß nämlich niemand, ob das Leben der Betroffenen ohne MRT wirklich anders verlaufen wäre.

Diesem Vorteil für wenige steht aber ein Nachteil für viele gegenüber: Das Risiko für einen falschen Alarm. Und dieses Risiko scheint relativ hoch zu sein. Bei rund 40 der 100 untersuchten Menschen wurden in Studien Auffälligkeiten im Ganzkörper-MRT entdeckt, die sich nach weiterer Untersuchung als harmlos herausstellten.

Risikoreiche Untersuchungen und Angst

Anhand eines MRT-Bildes kann eine Ärztin oder ein Arzt keine sichere Diagnose stellen. Um Auffälligkeiten abzuklären, sind zuerst weiteren Untersuchungen nötig, wie etwa Gewebsentnahmen (Biopsien), zum Teil unter Vollnarkose. Diese Folgeuntersuchungen haben Risiken: Bei Narkosen kann es zu Komplikationen, bei Biopsien zu Blutungen oder Wundinfektionen kommen.

Studien ergaben außerdem, dass Betroffene die Wartezeit bis zur Gewissheit sehr belastend erleben [Quelle 3]. Sie schätzten im MRT gefundene Auffälligkeiten als weitaus schlimmer und bedrohlicher ein, als die befundenden Ärztinnen und Ärzte, denen womöglich bewusst war, dass sich der Verdacht mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht bewahrheiten würde.

Auch ein unauffälliges Ergebnis sagt wenig aus

Gerade einmal die Hälfte der Untersuchten erhält nach dem Ganzkörper-MRT die vermutlich erhoffte Beruhigung: Rund 55 der untersuchten 100 Menschen gingen in den Studien mit einem unauffälligen Befund nachhause [Quellen 1 und 2]. Ob sie tatsächlich alle gesund waren oder ob bei manchen von ihnen Erkrankungen übersehen worden waren, können uns die nur kurz laufenden Studien allerdings nicht beantworten. Denn das stellt sich vielleicht erst Jahre später heraus.

Neben der Möglichkeit, dass Auffälligkeiten übersehen werden, ist ein Ganzkörper-MRT außerdem immer nur eine Momentaufnahme. Es kann zum Beispiel nur feststellen, dass im Moment kein Krebs vorliegt – zumindest keiner, der so groß ist, dass er in einem MRT sichtbar wäre. Theoretisch könnte die Sache aber schon bald danach ganz anders aussehen. Um vor schweren Krankheiten relativ sicher zu sein, müsste das Ganzkörper-MRT also regelmäßig in kurzen Abständen durchgeführt werden. Und das ist angesichts des hohen Preises wohl nur für wenige Menschen eine Option.

Woher stammen die Zahlen zu Ganzkörper-MRTs?

Die Zahlen zu tatsächlich entdeckten Erkrankungen und falschen Alarmen errechneten Forschende, indem sie die Ergebnisse aller bisherigen Studien zusammenfassten, in denen sich gesunde, beschwerdefreie Menschen mit einem Ganzkörper-MRT untersuchen ließen [Quelle 1 und 2]. Gefundene Auffälligkeiten wurden anschließend näher untersucht, wobei sich der Verdacht entweder bewahrheitete oder als falsch herausstellte.

Die Zahlen sind allerdings nicht vollkommen verlässlich. Die einzelnen Studien waren sehr unterschiedlich und hatten Mängel. Insgesamt deuten sie aber darauf hin, dass Ganzkörper-MRTs oft falsche Ergebnisse liefern.

Ganzkörper-MRT: keine geeignete Früherkennungsuntersuchung

Ob regelmäßige Ganzkörper-MRT-Untersuchungen auf lange Sicht zu einem längeren Leben verhelfen, können die Studien nicht beantworten. Derzeit bieten nirgendwo auf der Welt Krankenkassen Ganzkörper-MRTs als Früherkennungsuntersuchung für alle an – vor allem deshalb, weil sie so oft falschen Alarm schlagen. Die Wirksamkeit eines solchen Früherkennungsprogramms konnte deshalb auch noch nie in einer Studie untersucht werden.

Zur Krebs-Früherkennung gibt es in Österreich verlässliche und gut erforschte Untersuchungen, die von den Krankenkassen bezahlt werden. Dazu gehören die Darmspiegelung oder den Test auf Blut im Stuhl zur Darmkrebs-Früherkennung, die Mammographie zur Brustkrebs-Früherkennung, die Muttermal-Kontrolle, oder der Pap-Abstrich bei der Frauenärztin oder dem Frauenarzt, mit dem Gebärmutterhalskrebs vorgebeugt werden kann.

Die Studien im Detail

Nach welchen Studien haben wir gesucht?

Ob Ganzkörper-MRT-Untersuchungen die Gesundheit langfristig verbessern, hat bisher keine Studie erforscht. Genauso weiß man, wie viele Erkrankungen beim Ganzkörper-MRT übersehen werden. Bisherige Studien können nur beantworten, wie oft es Alarm schlägt – und wie oft es sich dabei um falschen Alarm handelt.

Bisherige Studienn zur Verlässlichkeit des Ganzkörper-MRTs sahen folgendermaßen aus: Möglichst viele gesunde, beschwerdefreie Menschen ließen sich mit einem Ganzkörper-MRT untersuchen. Erfahrene Ärztinnen und Ärzte begutachteten dann die Bilder. Sie fanden entweder keine Auffälligkeiten, die für eine schwere Erkrankung sprechen. Dann war der Befund unauffällig, oder negativ.

Oder aber die Radiologinnen und Radiologen fanden Hinweise auf Erkrankungen, dann war das Ergebnis auffällig. In diesem Fall brauchte es weitere Untersuchungen, wie etwa Biopsien oder Blutuntersuchungen, um herauszufinden, ob wirklich eine Erkrankung vorliegt. Nach diesen weiteren Untersuchungen bestätigte sich entweder der Verdacht, oder aber er stellte sich als falsch heraus und die Betroffenen waren eigentlich gesund. Solche falschen Alarme bezeichnet man auch als falsch-positive Ergebnisse.

Insgesamt 19 solche Studien wurden bereits durchgeführt. Bei unserer Suche in zwei weltweiten Studien-Datenbanken fanden wir zwei sogenannte Übersichtsarbeiten [Quellen 1 und 2], die die Ergebnisse dieser bisherigen Studien zusammenfassen. Die eine fasste alle Studien zusammen, die untersuchten, wie häufig bei Ganzkörper-MRTs Auffälligkeiten jeglicher Art entdeckt werden [Quelle 1]. Die andere nur Studien, die untersuchten, wie häufig Krebs entdeckt wird [Quelle 2].

Wie aussagekräftig sind die Studien?

In den einzelnen Studien wurden teilweise sehr unterschiedliche Zahlen berichtet. Rechnet man alle ihre Ergebnisse zusammen, gab es pro 100 Personen im Durchschnitt bei 45 Personen Auffälligkeiten, bei 1 bis 2 davon bestätigte sich der Verdacht [Quelle 1]. Krebs wurde bei rund 11 von 100 Untersuchten vermutet, wobei sich nur bei circa einem davon der Verdacht bestätigte [Quelle 2]. Die am häufigsten gefundenen Krebsarten waren Prostatakrebs, Nieren-, Lungen- und Schilddrüsen-Krebs sowie Lymphome (Krebs in den Lymphknoten).

Diese Zahlen sind nicht gut abgesichert. Die einzelnen Studien waren großteils mangelhaft durchgeführt worden. Sie waren teilweise auch unterschiedlich streng beim Beurteilen der MRT-Bilder. Das macht es schwer, ihre Ergebnisse sinnvoll zusammenzufassen. Es kann deshalb sein, dass sich die Zahlen zu den gefundenen und bestätigten Verdachtsfällen durch zukünftige Studien noch verändern werden. Unverändert wird wahrscheinlich die Tatsache bleiben, dass das Ganzkörper-MRT in vielen Fällen falschen Alarm schlägt.

[1] Kwee RM & Kwee TC (2019). Whole-body MRI for preventive health screening: A systematic review of the literature. J Magn Reson Imaging.;50(5):1489-1503. (Link zur Übersichtsarbeit)

[2] Martins da Fonseca J, et al. (2026). Whole-body MRI for opportunistic cancer detection in asymptomatic individuals: a systematic review and meta-analysis. Eur Radiol.;36(3):1813-1823. (Link zur Übersichtsarbeit)

[3] Schmidt CO, et al. (2013). Psychosocial consequences and severity of disclosed incidental findings from whole-body MRI in a general population study. European radiology, 23(5), 1343-1351. (Link zur Studie)

  • 7.9.2026: Erstveröffentlichung des Faktenchecks

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